Freitag, 22. März 2019

Ifo-Index Deutsche Firmen in Feierlaune

Aufwärts: Nicht nur im Baugewerbe brummt das Geschäft. Auch die Binnennachfrage zieht an - Volkswirte erwarten deshalb gar ein neues Zeitalter für die deutsche Konjunktur

Trotz der Schuldenkrise in Europa ist die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hervorragend - und zwar quer durch alle Branchen. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg auf den höchsten Stand seit 20 Jahren. "Die deutsche Wirtschaft schraubt sich immer höher", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Auch der Binnenmarkt kommt in Fahrt.

Berlin - Die Stimmung verbesserte sich quer durch alle Branchen - von der Industrie über den Bau, dem Groß- und Einzelhandel bis hin zu den Dienstleistern. Die vom Ifo-Institut befragten 7000 Manager sehen mehr Chancen als Risiken, weil der Binnenmarkt in Fahrt kommt.

Das wichtigste Stimmungsbarometer der Wirtschaft stieg nach Angaben des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) um 1,6 auf 109,3 Punkte - den besten Wert seit Beginn der gesamtdeutschen Statistik 1991. Die Firmenchefs schätzten die Aussichten so gut ein wie seit rund 20 Jahren nicht mehr und beurteilten die Geschäftslage so positiv wie zuletzt im Mai 2007.

Wegen der Schuldenkrise in Irland, Griechenland und anderen Euro-Staaten und Sorgen um den Euro hatten Experten einen leichten Rückgang des Ifo-Indexes erwartet. Die deutschen Unternehmen lässt das aber kalt.

"Der Aufschwung ist intakt und breit angelegt"

"Das schlägt bisher nicht auf das Geschäft durch", sagte Ifo-Experte Klaus Abberger. "Der Aufschwung ist intakt und breit angelegt." Börsenanleger blicken mit mehr Skepsis auf die Schuldenkrise als die Manager aus der Realwirtschaft: Der Euro fiel erstmals seit September vorübergehend unter 1,33 Dollar. "Die Unsicherheit darüber, wie es weitergeht, ist einfach zu groß", sagte Commerzbank-Analystin Antje Praefcke.

Selbst die Aussicht auf ein langsamer wachsendes Exportgeschäft tat der guten Stimmung in den Unternehmen keinen Abbruch. Das werde durch die steigende Nachfrage aus dem Inland wettgemacht, sagte Abberger. Im Vertrauen auf einen längeren Aufschwung stocken die Firmen ihre Belegschaft auf. "Die Wirtschaft stellt wieder in Breite ein", betonte Abberger.

Experten sagen deshalb für 2011 die niedrigste Arbeitslosigkeit seit 1992 voraus. Das stimuliert den Konsum, weil die Angst vor dem Jobverlust abnimmt. "Die Voraussetzungen sind gut, dass die Kassen im Weihnachtsgeschäft klingen", sagte Abberger.

Neue Phase für Deutschland - neben Export tritt der Binnenkonsum

Experten sehen die jahrelang vor allem vom Export lebende deutsche Wirtschaft sogar am Beginn einer neuen Ära. "Wir treten in ein neues altes Zeitalter ein, in dem die Binnenwirtschaft eine größere Rolle spielt", sagte DekaBank-Experte Andreas Scheuerle. Die Wirtschaftsweisen gehen davon aus, dass sie 2011 rund 90 Prozent zum Wirtschaftswachstum beiträgt.

"Der Aufschwung ist unglaublich stark, er hat eine neue Qualität erreicht", sagte UniCredit-Experte Andreas Rees. "Es ist nun unwahrscheinlich, dass das Momentum innerhalb weniger Monate abbricht." Die Unternehmen ließen sich von den negativen Schlagzeilen zur Schuldenkrise "überhaupt nicht beeindrucken".

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer warnte aber vor einem Rückschlag, sollte die Schuldenkrise außer Kontrolle geraten: "Dann könnte es zu einem Unsicherheitsschock wie nach der Lehman-Pleite und damit zu einer erneuten Rezession kommen."

Die deutsche Wirtschaft war im dritten Quartal um 0,7 Prozent gewachsen - fast doppelt so schnell wie die Eurozone mit 0,4 Prozent. Neben Exporten und Investitionen stützte auch der private Konsum das Wachstum. Die Bundesregierung sagt für das zu Ende gehende Jahr ein Wachstum von 3,4 Prozent voraus, das sich 2011 auf 1,8 Prozent abschwächen sollte. Die meisten Experten trauen Deutschland ein noch kräftigeres Plus zu.

la/reuters

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