Montag, 18. Juni 2018

Vergifteter Ex-Spion Sergej Skripal und dessen Tochter Yulia Großbritannien geht auf Frontalkurs zu Russland

Großbritanniens Premierministerin Theresa May (Archivbild vom 2. März 2018). Mit "Partnership" war hier damals schon die EU gemeint, nicht Russland.

Die britische Premierministerin Theresa May hat Russland vorgeworfen, hinter dem Anschlag auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal zu stecken. "Es ist höchstwahrscheinlich, dass Russland verantwortlich ist", sagte May. Beim verwendeten Nervengas habe es sich um einen militärischen Kampfstoff eines Typs gehandelt, der in Russland produziert werde. Zuvor hatte May eine Krisensitzung des Nationalen Sicherheitsrats einberufen.

Nach dem aktuellen Ermittlungsstand gebe es nur zwei Möglichkeiten: Entweder stecke der russische Staat direkt hinter dem Anschlag oder die Nation habe die Kontrolle über das Nervengift verloren und es sei in die Hände der Angreifer gelangt. Die britische Regierung hat deshalb den Botschafter Russlands einberufen. Er solle erklären, wie das Nervengas nach Salisbury gelangen konnte.

Skripal, 66, und seine Tochter Yulia, 33, waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt entdeckt worden. Sie wurden der Polizei zufolge Opfer eines Attentats mit Nervengift und befinden sich weiterhin in einem kritischen Zustand. Insgesamt mussten 21 Menschen im Krankenhaus behandelt werden, darunter auch ein Polizist. Sein Zustand sei ernst, aber stabil, sagte May.

Sergej Skripal (Archivfoto von 2006).
Yuri Senatorov/ Kommersant/ REUTERS
Sergej Skripal (Archivfoto von 2006).

Die Premierministerin stellte Russland nun ein Ultimatum, um sich in dem Fall zu erklären. Moskau müsse sich bis Dienstagabend gegenüber der Organisation für das Verbot chemischer Waffen äußern, sagte May. Laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax äußerte sich das russische Außenministerium zu den Worten Mays. Demnach seien die Aussagen "eine Zirkusshow".

Die britischen Strafverfolgungsbehörden werten die Vergiftung als Mordversuch. An den Ermittlungen sind mehr als 250 Beamte beteiligt. Vor wenigen Tagen fanden die Beamten Spuren von Nervengift in einem Restaurant sowie in einem von Skripal häufig besuchten Pub. Der Fall belastet die britisch-russischen Beziehungen stark.

Skripal, ein Oberst des russischen Militärgeheimdiensts, war 2006 in Russland wegen des Vorwurfs der Spionage für Großbritannien zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Im Zuge eines Gefangenenaustauschs kam er 2010 nach Großbritannien.

SPIEGEL ONLINE, soc

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