Freitag, 9. Dezember 2016

Feste Verbindung zwischen Helsinki und Tallinn Finnen und Esten planen Rekord-Tunnel unter der Ostsee

Sieht auf der Karte ganz einfach aus: 80 Kilometer liegen zwischen den Hauptstädten

In ihrem vierten Rezessionsjahr können die Finnen vielleicht eine große Vision gerade ganz gut gebrauchen. Und diese Vision ist ziemlich groß. Die Stadt Helsinki teilt mit, der Bürgermeister der Hauptstadt habe mit seinem Amtskollegen aus der estnischen Kapitale Tallinn in dieser Woche ein Verkehrsabkommen unterzeichnet.

Herzstück des Dokuments, das auch die Unterschrift von Ministern aus beiden Ländern trägt, ist das Projekt eines "FinEst Link" genannten Bahntunnels unter dem Finnischen Meerbusen, dem Ostseearm, der die beiden Länder trennt.

Gut 80 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Helsinki und Tallinn, die laut der Mitteilung bereits heute "fast einen einheitlichen Arbeitsmarkt" mit 1,5 Millionen Einwohnern bilden. Zehntausende Esten arbeiteten auf der finnischen Seite, viele von ihnen pendelten wöchentlich - vorzugsweise mit Schnellfähren, die den Transfer in eineinhalb Stunden bewältigen, aber nur im Sommer fahren können.

Eine Bahn bis nach Berlin - mit Geld aus Brüssel

Der Tunnel könnte die Fahrzeit laut einer Machbarkeitsstudie auf eine halbe Stunde senken - dann wäre die Fahrt zur Arbeit auch täglich möglich. Die Metropolen könnten also tatsächlich zu einem Wirtschaftsraum zusammenwachsen, nach dem Vorbild der Öresundbrücke zwischen der dänischen Hauptstadt Kopenhagen und dem schwedischen Malmö. Dort allerdings machen neuerdings Passkontrollen mit Umsteigepflicht an der Grenzstation den Pendlern das Leben schwer, weil sich beide Länder gegen Flüchtlinge abschotten.

Von solchen Problemen sind Finnland und Estland weit entfernt. Für das Projekt wird sogar noch das Zusammenwachsen Europas bemüht: Fördermittel der EU wären möglich, weil die Strecke ohnehin zu den transeuropäischen Netzen gezählt werden, die vorzugsweise ausgebaut werden.

Der Tunnel könnte an die Bahnstrecke "Rail Baltica" über Riga nach Warschau und Berlin anschließen, die nach derzeitigem Stand irgendwann in den 2020er Jahren gebaut werden soll. Die komplette Distanz müsste ohne Nutzung alter Streckenabschnitte neu gebaut werden, weil die EU auf Gleise in europäischer Normalspur statt der im Baltikum und auch in Finnland üblichen breiteren russischen Spurweite setzt.

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