Samstag, 27. August 2016

Kampagne in Belgien Brüsseler Stau soll Weltkulturerbe werden

Stau in Brüssel: Er steht und steht und steht ...

Natürlich ist es nur Spaß. Aber mit ernstem Hintergrund. Der belgische Verkehrsstau als Weltkulturerbe von der Unesco anerkannt, in einer Reihe mit Pyramiden, Eiffelturm und der Chinesischen Mauer?

Genau dafür tritt eine Kampagne ein, wie das "Wall Street Journal" berichtet (€), mit Werbespots im Fernsehen: "Ein unzähmbares Ungeheuer, so großartig, so überwältigend ... diese gewaltige Verbindung von Gummi und Metall, geben Sie ihr die Chance, die sie verdient!"

Tatsächlich sind die Straßen von Brüssel und Antwerpen nach manchen Untersuchungen die am meisten verstopften in Europa und Nordamerika (nach anderen zumindest weit vorn). In dem Bericht wird noch die in Brüssel ansässige EU-Kommission zitiert, der Stillstand koste das Land jährlich 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Die Kampagne wird von der Staatsbahn SNCB unterstützt, die sich davon wohl erhofft, Autofahrern ihre Misere bewusst zu machen und sie so zum Umsteigen zu bewegen. Allerdings wurde prompt auch eine Gegenkampagne ins Leben gerufen, die belgischen Zugverspätungen und Bahnstreiks ebenfalls bei der Unesco anzumelden: "Unsere Zugverspätungen haben einen unbezahlbaren historischen Wert, und manche Waggons sind nicht weniger als Museen auf Rädern", heißt es auf deren Website.

Die welthöchsten Steuerrabatte für Firmenwagen

Das "Journal" sieht in der Angelegenheit ein Sinnbild für die Zerrissenheit und Dysfunktionalität des Landes, nicht nur entlang der Sprachgrenze zwischen Flamen und Wallonen. Belgien habe sich historisch sehr der autofreundlichen Stadtplanung verschrieben und gewähre heute noch die weltweit höchsten Steuerrabatte für Firmenwagen. Es gebe aber keine klaren Zuständigkeiten, um die Transportprobleme in den Griff zu bekommen.

Pascal Smet, der Verkehrsminister der Hauptstadtregion Brüssel, äußert sich zustimmend zur Anti-Stau-Kampagne, "ich bin nicht gegen Autos, aber wir brauchen ein neues Gleichgewicht", während seine Amtskollegin Els Ampe von der für das annähernd gleiche Gebiet zuständigen Stadtverwaltung "eine sehr mächtige Anti-Auto-Lobby" am Werk sieht. Beide gehören flämischen Parteien an.

Der Autoverband Touring spricht von "gewaltigen Unterinvestitionen" sowohl in Straßen als auch in die Bahn. Und auch Bahn-Freund Smet bespottet das in seiner Region geplante Vorortbahnnetz RER als "Réseau Eternellement Retardé" (Ewig verspätetes Netz). Der Stau wird wohl noch lange genug stehen, um die Kampagne für das Welterbe in Schwung zu bringen.


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