Sonntag, 22. April 2018

Streit im Giftanschlag eskaliert 14 EU-Staaten und USA weisen russische Diplomaten aus

Russiche Botschaft in Berlin: Allein Deutschland hat vier russische Diplomaten ausgewiesen
FELIPE TRUEBA/EPA-EFE/REX/Shutterstock
Russiche Botschaft in Berlin: Allein Deutschland hat vier russische Diplomaten ausgewiesen

Es sieht nach einer konzertierten Aktion aus: Aus Protest gegen den Giftfanschlag auf den Ex-Agenten Sergej Skripal auf britischem Gebiet haben 14 EU-Staaten und die USA zahlreiche russische Diplomaten vor die Tür gesetzt. Moskau wird das wohl nicht auf sich sitzen lassen.

Nach dem Giftanschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal im englischen Salisbury eskaliert der Streit zwischen dem Westen und Russland. Die USA und 14 EU-Staaten wiesen am Montag in einer offenkundig abgestimmten Aktion zahlreiche russische Bürger aus. Die Regierung in Moskau will offenbar mit Gegenmaßnahmen reagieren.

Allein Deutschland verwies vier russische Diplomaten. "Denn nach dem Giftanschlag von Salisbury trägt Russland noch immer nicht zur Aufklärung bei", erklärte Außenminister Heiko Maas. "Wir setzen damit auch ein Zeichen der Solidarität mit Großbritannien." Die USA verwiesen nach Informationen aus Regierungskreisen 60 Russen des Landes und schlossen das Generalkonsulat in Seattle. Die russische Nachrichtenagentur zitierte den russischen Senator Wladimir Dschabarow mit den Worten, sein Land werde im Gegenzug 60 US-Diplomaten ausweisen. Die Regierung in Moskau bestätigte dies zunächst nicht.

Nach den Worten von EU-Ratspräsident Donald Tusk haben insgesamt 14 EU-Staaten beschlossen, russische Diplomaten zu unerwünschten Personen zu erklären. Weitere Sanktionen seien in den kommenden Tagen nicht auszuschließen.

Der russische Botschafter in Washington protestierte laut einer Meldung der Nachrichtenagentur RIA gegen die Ausweisung. Die USA zerstörten das Wenige, das noch an Beziehungen zwischen beiden Staaten übriggeblieben sei. Die Reaktion Russlands werde im gleichen Maße erfolgen. Die USA verstünden nur die Sprache der Stärke.

Russland weist die Vorwürfe zurück, Beweise liegen noch nicht vor

Russland hatte den Vorwurf der EU zurückgewiesen, hinter dem Anschlag zu stecken. Die Führung in Moskau warf der EU vor, sie lasse sich in eine von Großbritannien und der USA inszenierte Kampagne hineinziehen, mit der ein Keil zwischen die Union und Russland getrieben werden solle.

Großbritannien hat bislang keine Beweise für eine Verwicklung Russlands in den Anschlag veröffentlicht und davon gesprochen, dass Russland "höchstwahrscheinlich" hinter dem Anschlag stecke. Dem schlossen sich die EU-Staaten am Freitag an. Großbritannien hatte bereits 23 russische Diplomaten des Landes verwiesen. Die Regierung in Moskau reagierte darauf mit der Ausweisung britischer Diplomaten.

Der Anschlag auf Skripal und seine Tochter wurde der britischen Darstellung zufolge mit einem Nervengift ausgeführt, das aus der Sowjetunion stammt. Unklar ist, wo das verwendete Gift hergestellt wurde. Zurzeit sollen Experten der Organisation für das Verbot chemischer Waffen die Proben vom Tatort untersuchen.

rei/Reuters

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