Dienstag, 26. März 2019

Comeback der Euro-Krise Die Rezepte der Groko werden Euroland nicht retten

Ruf nach "Solidarität": Mehr Umverteilung wird den Euro nicht retten

Witze über Ökonomen gibt es viele. Zurecht, denn was sie vorlegen, ist nicht selten realitätsfern und am eigentlichen Problem vorbei. Jüngstes Beispiel: das Papier deutsch-französischer Ökonomen zur Rettung der Eurozone.

Ein Tourist hat sich verirrt und fragt nach dem Weg. Nach einigem Nachdenken antwortet ihm der Einheimische: "Wenn ich Sie wäre, würde ich nicht von hier aus starten." Der Witz ist bekannt und es liegt nahe anzunehmen, dass der Einheimische ein Ökonom war. Ökonomen lieben es, die Probleme so zu definieren, wie sie zu ihren Lösungsideen passen. Statt umgekehrt. Vor allem schaffen sie es mit schlafwandlerischer Sicherheit immer wieder, die Erkenntnisse anderer Studien zu ignorieren.

Daniel Stelter

Neuestes Beispiel ist das Papier deutscher und französischer Ökonomen zur Rettung der Eurozone, das die Vorlage für die sich abzeichnende Große Koalition liefert, uns Deutschen eine Politik schmackhaft zu machen, die uns sehr teuer zu stehen kommt. Milliarden sollen im Namen der "Solidarität" und zur "Rettung" des Euro nach Brüssel und in die Krisenstaaten geleitet werden. Eine nutzlose Verschwendung von Steuergeldern zeichnet sich ab, denn auch mit mehr Umverteilung lässt sich der Euro nicht retten.

Keine Antworten auf die entscheidenden Fragen

Eigentlich sollte man das Problem analysieren, bevor man Lösungsvorschläge präsentiert. Auch bei Ökonomen darf man das erwarten. Rufen wir uns deshalb als Standortbestimmung die entscheidenden Gründe für die Eurokrise und die anhaltenden Probleme in Erinnerung. Die da waren:

1. Wir hatten einen privaten Verschuldungsboom, der zu der Krise in Portugal, Spanien und Irland führte. Bereinigt der Vorschlag der Ökonomen die immer noch hohe private Schuldenlast in diesen Ländern?

2. Wir haben ein Staatsschuldenproblem in Griechenland, Italien und auch Portugal. Zunehmend auch in Frankreich. Bereinigt der Vorschlag der Ökonomen diese hohe Schuldenlast?

3. Im Zuge der Rettung des Privatsektors, allen voran den Banken, mussten Länder wie Irland und Spanien zusätzlich erhebliche Staatsschulden machen. Bereinigt der Vorschlag der Ökonomen auch diese hohe Schuldenlast?

4. Im Zuge des Kreditbooms haben die europäischen Banken zu viele Kredite gegeben, die nun nicht mehr einbringlich sind. Trägt der Vorschlag der Ökonomen zu einer Sanierung der europäischen Banken bei?

5. Aufgrund der geringen Kapitalbasis verzögern die Banken eine Bereinigung der faulen Kredite und lassen deshalb zunehmend Zombie-Unternehmen am Leben, die wiederum das Wirtschaftswachstum dämpfen. Haben die Ökonomen einen Lösungsvorschlag, wie wir mit diesen Unternehmen umgehen?

6. Bekanntlich hat sich die Wettbewerbsfähigkeit innerhalb des Euroraumes deutlich auseinander bewegt und Länder wie Italien und Portugal sind nicht mehr, sondern weniger wettbewerbsfähig als im Jahr 2008. Machen die Ökonomen einen Vorschlag, wie wir dieses Problem lösen?

7. Nicht nur Lohnkosten entscheiden über die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Das tun vor allem auch die Innovationen. Haben die Ökonomen einen Vorschlag, wie wir die Innovationsfähigkeit von Ländern wie Portugal und Griechenland erhöhen?

8. Die Geschichte der EU und vor allem des Euroraumes zeigt, dass es die Politik mit den Regeln nicht so ernst nimmt. Haben die Ökonomen Vorschläge, die die Einhaltung von Regeln ab jetzt sicherstellen?

Die Antwort auf jede dieser acht Fragen lautet schlicht und einfach NEIN. Wie im eingangs zitierten Witz haben es die Ökonomen bevorzugt, Vorschläge vorzulegen, die alle mehr oder weniger sinnvoll sind, aber die Grundprobleme nicht lösen, sondern in letzter Konsequenz nur die Umverteilung zulasten Deutschlands vergrößern.

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