Mittwoch, 25. Mai 2016

Tiefer geht´s nimmer? Von wegen Was Sie über Minuszinsen wissen müssen

Protest gegen EZB-Präsident Mario Draghi (Archiv, 2015): Es gibt einfach zu viel Geld

Etwas verrückt kann es einem schon vorkommen: Zinsen dafür zahlen, dass man Geld anlegt, und welche kassieren dafür, dass man Geld ausleiht? Genau das ist das Prinzip negativer Zinsen. Es treibt kuriose Blüten wie die, dass Schweizer Kantone ihre Bürger anflehen, ihre Steuerschuld doch bitte nicht zu früh zu begleichen, oder dass Deutsche-Bank-Chef John Cryan meint, Kunden mit allzu großen Geldanlagewünschen müsste man eigentlich abweisen.

Doch was scheinbar alle wirtschaftlichen Grundsätze auf den Kopf stellt, wird zunehmend normal, und die erneute Zinssenkung der Europäischen Zentralbank an diesem Donnerstag dürfte den Trend verstärken. Der EZB-Rat "erwartet, dass die Leitzinsen für längere Zeit auf dem jetzigen oder einem noch niedrigeren Niveau liegen werden", sagte Draghi im Anschluss an die heutige Zinssenkung.

Neben der EZB haben auch die Zentralbanken Japans, Dänemarks, Schwedens und der Schweiz eine Negativzinspolitik gewählt. Ein gutes Viertel der Staatsanleihen weltweit, der liquideste Teil des Kapitalmarkts mit mehr als sechs Billionen Dollar Nennwert, wird bereits zu Renditen unter null gehandelt.

Es wird Zeit sich an negative Zinsen zu gewöhnen - und sich einigen Irrtümern zu stellen.

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