Freitag, 15. Dezember 2017

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Sabadell und Caixabank verlegen Hauptsitz Großbanken wandern aus Barcelona ab

Zentrale der Banc Sabadell in Barcelona
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Zentrale der Banc Sabadell in Barcelona

Die mögliche Unabhängigkeit Kataloniens verunsichert die Unternehmen. Die spanische Großbank Banco Sabadell verlegt nun ihren Firmensitz aus der Region. Weitere große Unternehmen könnten folgen.

Im Zuge der Katalonien-Krise verlegt die spanische Großbank Banc Sabadell ihren Firmensitz weg aus der Region. Wie die viertgrößte spanische Bankengruppe am Donnerstagabend nach einer Eilsitzung des Direktoriums mitteilte, wird sie von Barcelona nach Alicante umziehen.

Die Stadt am Mittelmeer zählt zur Region Valencia und damit zum katalanischen Sprachraum, in dem Sabadell verwurzelt ist, ist aber nicht von der für Montag erwarteten Unabhängigkeitserklärung der Regionalregierung in Barcelona betroffen. Der Umzug ist vor allem juristischer und symbolischer Natur: Die Hauptverwaltung soll im Sabadell-Turm im Zentrum von Barcelona bleiben, das Betriebszentrum in Sant Cugat del Vallès.

Mit einer Bilanzsumme von 217 Milliarden Euro und konzernweit 26.000 Mitarbeitern ist die Banc Sabadell Börsen-Chart zeigen das größte Unternehmen, das Katalonien angesichts der Turbulenzen um die mögliche Abspaltung der Region von Spanien verlässt. Gegründet wurde das Institut im 19. Jahrhundert, um den Aufbau der katalanischen Industrie zu finanzieren. Es ist auch im Privatbanking für reiche Kunden aktiv.

Banc-Sabadell-Präsident Josep Oliu hatte den Auszug schon nach dem verfassungswidrigen, von Polizeigewalt geprägten Unabhängigkeitsreferendum angedeutet. Spanien erlebe eine "beunruhigende Situation", sagte der 68-Jährige. Rechtssicherheit und institutionelle Zuverlässigkeit seien unabdinglich. Um die Interessen der Kunden zu schützen, werde man im Notfall "genügend Maßnahmen" ergreifen.

Palma de Mallorca wird zur Finanzmetropole

Ähnlich äußerte sich auch das Management der CaixaBank Börsen-Chart zeigen in einer internen Mail. Die börsennotierte Tochter der katalanischen Sparkasse La Caixa, die größte Filialbank in Spanien, soll noch am Freitag über einen Umzug beraten. Laut "El Mundo" und "Financial Times" will die CaixaBank ihren Hauptsitz in Palma de Mallorca nehmen - ebenfalls im katalanischen Sprachraum und historischen Kerngebiet der Bank, aber außerhalb der Region Katalonien.

Die CaixaBank hat als eine der am stärksten kapitalisierten Banken neben den eher international aufgestellten Großkonzernen Santander und BBVA in der spanischen Bankenkrise mehrere kleinere Wettbewerber übernommen. Sie ist Ankeraktionärin mehrerer Großunternehmen wie Gas Natural SDG Börsen-Chart zeigen, Abertis Infraestructuras Börsen-Chart zeigen, Repsol Börsen-Chart zeigen oder Telefónica Börsen-Chart zeigen. Die gemeinnützige Stiftung von La Caixa zählt zu den größten der Welt.

Für die Banken geht es auch um die Beruhigung der Anleger. Zwar dürfte die Region sich kaum in naher Zukunft effektiv von Spanien lossagen können. Die Unternehmen wollen jedoch jeden Anflug von Unsicherheit vermeiden, ob die spanischen Gesetze, die Einlagensicherung und der Zugang zum europäischen Interbankenmarkt einschließlich der EZB künftig noch für sie gelten.

Doch nicht nur Finanzunternehmen wenden sich aus der wirtschaftsstarken Region ab.

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