Montag, 20. August 2018

DFB-Spieler posieren mit Erdogan DFB kritisiert Özil und Gündogan

Gündogan, Özil und Cenk Tosun (rechts) zu Besuch bei Erdogan
Getty Images
Gündogan, Özil und Cenk Tosun (rechts) zu Besuch bei Erdogan

Auf dem Fußballplatz agierten Mesut Özil und Ilkay Gündogan in den vergangenen Monaten eher unauffällig. Kurz vor der WM-Nominierung machen die beiden Fußballprofis statt dessen mit einem Fototermin mit Recep Tayyip Erdogan auf sich aufmerksam.

Die deutschen Fußball-Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan haben unmittelbar vor ihrer erwarteten WM-Nominierung mit einem fragwürdigen politischen Statement irritiert. Die beiden Mittelfeldspieler, die in der englischen Premier League seit Wochen im Formtief sind, ließen sich am Sonntag in einem Londoner Luxushotel vom umstrittenen türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan hofieren.

Bei einem Fototermin im Rahmen von Erdogans dreitägigem Besuch in Großbritannien überreichten Özil und Gündogan dem Präsidenten Trikots ihrer englischen Vereine FC Arsenal bzw. Manchester City. Gündogans Trikot mit der Nummer acht war handsigniert: "Mit großem Respekt für meinen Präsidenten."

Für den türkischstämmigen Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir leisteten sie damit "geschmacklose Wahlkampfhilfe". Auch DFB-Präsident Reinhard Grindel vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) hat die Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan für ihr Treffen mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan hart gerügt.

"Der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden", schrieb Grindel am Montag bei Twitter. "Deshalb ist es nicht gut, dass sich unsere Nationalspieler für seine Wahlkampfmanöver missbrauchen lassen."

"Der Bundespräsident eines deutschen Nationalspielers heißt Steinmeier"

Özdemir, langjähriger Bundesvorsitzender der Partei Bündnis 90/Die Grünen, reagierte empört. "Der Bundespräsident eines deutschen Fußball-Nationalspielers heißt Frank-Walter Steinmeier, die Bundeskanzlerin Angela Merkel und das Parlament heißt Deutscher Bundestag", sagte er dem SID am Montag: "Es sitzt in Berlin, nicht in Ankara." Allerdings verfügt Gündogan neben dem deutschen auch über einen türkischen Pass.

DFB-Spieler Gündogan, Erdogan: "Für meinen Präsidenten"

Anstatt Erdogan "diese geschmacklose Wahlkampfhilfe" zu leisten, betonte Özdemir, "wünsche ich mir von den Spielern, dass sie sich aufs Fußballspielen konzentrieren und noch einmal die Begriffe Rechtsstaatlichkeit und Demokratie nachschlagen". Erdogans Partei AKP hatte Fotos des Treffens im Hotel Four Seasons, an dem auch der deutsch-türkische Profi Cenk Tosun vom FC Everton teilnahm, am Montag bei Twitter veröffentlicht.

Der Besuch der beiden Nationalspieler ist in mehrerlei Hinsicht brisant. Zum einen politisch, da Erdogan vorgeworfen wird, die Pressefreiheit zu beschneiden, Journalisten und Oppositionelle verhaften zu lassen. Gerade erst hat er die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen auf den 24. Juni vorgezogen: Die Fotos mit Özil und Gündogan sind in Erdogans Kampf für den Umbau der Türkei zu einem Präsidialsystem willkommen. Etwa 1,5 Millionen in Deutschland lebende Türken sind wahlberechtigt, hierzulande ist Erdogan der Wahlkampf untersagt.

Auch Özil überreichte Erdogan ein Trikot von seinem Club, dem englischen Erstliga-Club FC Arsenal

Es gibt aber auch eine starke sportliche Komponente: Am Dienstag wird Bundestrainer Joachim Löw Özil und auch Gündogan höchstwahrscheinlich ins Aufgebot für die Weltmeisterschaft in Russland (14. Juni bis 15. Juli) berufen. Vor allem Özil galt bei Löw trotz schwacher sportlicher Leistungen stets als gesetzt. Unmittelbar vor der Nominierung in die DFB-Elf die Nähe des türkischen Präsidenten zu suchen, erscheint zumindest ungeschickt.

la/dpa/sid/reuters

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