Freitag, 23. Februar 2018

IWF fordert Schuldenschnitt für Griechenland Memo an Merkel - Vergessen Sie Ihr Geld

Zeit für einen Haircut: IWF-Chefin Christine Lagarde blickt der Wahrheit ins Auge

2. Teil: IWF-Sprech - Klartext: "Das machen wir nicht nochmal"

Das Dokument sei "die Schuldentragfähigkeitsanalyse, um alle Schuldentragfähigkeitsanalysen zu beenden", schreibt Joseph Cotterill im "Alphaville"-Blog der "Financial Times", die das Dokument, über dessen Inhalt längst spekuliert wurde, vor dem IWF veröffentlicht hatte. Cotterill liefert eine nützliche Übersetzung der bürokratischen IWF-Sprache in Klartext:

"1. Wir haben privaten Gläubigern Griechenlands ermöglicht, ihr Risiko über Jahre bei uns abzuladen. Überraschung! Sie wollen es nicht zurück. Dies wird einen dritten Bailout nötig machen.

2. Wir haben die Schuldenquote am Bruttoinlandsprodukt so sehr erhöht, dass sie nicht mehr tragfähig ist. Wir (das heißt, ihr Europäer) mussten deshalb das, was Griechenland tatsächlich für die Schulden bezahlt, senken und strecken. Das ist jetzt das viel sinnvollere Maß für die Schuldenlast.

3. Machen Sie sich auf eine weitere Überraschung gefasst! So gesehen, waren die von uns zuvor angenommen primären Haushaltsüberschüsse, Privatisierungserlöse und so weiter zu riskant. Also haben wir eine Idee, die wir den europäischen Steuerzahlern nahebringen wollen.

(Anmerkung - an dieser Stelle entwirft der IWF ein Szenario, in dem die Laufzeiten der von der EU an Griechenland vergebenen Kredite ebenso wie die zins- und tilgungsfreien Perioden verdoppelt werden)

4. Erinnern Sie sich, dass wir uns von vornherein nur in Griechenland einmischten, weil wir das für systemwichtig erklärten, obwohl zweifelhaft war, dass wir das Geld zurückbekommen würden? Das machen wir nicht nochmal. Witzig genug, wir denken so, weil Regierungen Verluste besser verkraften können als Banken. Ach, falls Sie es noch nicht bemerkt haben, wir sind ziemlich scharf auf diese Verdopplung der Laufzeiten europäischer Kredite.

5. Das fängt ja schon mal an, nach einem Plan zu klingen. Unter den gegebenen Umständen haben wir unser Bestes versucht, das Risiko zu berücksichtigen, dass Wirtschaftswachstum und Haushaltsüberschüsse geringer ausfallen als wir denken. Wir schätzen, dass der Plan uns nicht um die Ohren fliegt, solange Griechenland Primärüberschüsse von mehr als 3 Prozent abliefert.

Ach, warten Sie. Kann irgendeine griechische Regierung dieses Niveau von Überschüssen gegenüber ihren Wählern politisch rechtfertigen? Oh je.

6. Also, wenn das schiefgeht, dann werden wir die Regierungen, die im Jahr 2010 bilateral Geld an Griechenland verliehen haben, bitten müssen, mehr von ihrem Geld zu verlieren. Und mit mehr von ihrem Geld meinen wir genauer gesagt all ihr Geld."

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