Samstag, 16. Februar 2019

Hellas-Anleihen im Ausverkauf IWF drängt offenbar auf Schuldenschnitt für Griechenland

Ohne Schuldenschnitt will der IWF Griechenland angeblich keine Kredite mehr geben: Bein einem Schuldenschnitt würden in erster Linie die europäischen Geldgeber leiden, denn der IWF erlässt grundsätzlich keine Schulden

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat offenbar von den Ländern der Eurozone einen Schuldenschnitt für Griechenland eingefordert. Anleger warfen daraufhin am Dienstag griechische Anleihen aus ihren Depots. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble dementierte solche Forderungen des IWF.

Nur wenn die Staaten der Eurozone auf einen Teil ihrer Forderungen gegen Griechenland verzichteten, werde der IWF weiter helfen, berichtete die "Financial Times" (Dienstag) unter Berufung auf nicht genannte IWF-Quellen. Dies würde die letzte Tranche aus dem aktuellen Hilfspaket in Höhe von insgesamt 7,2 Milliarden Euro betreffen. Der Währungsfonds sollte rund die Hälfte der Summe beitragen. Poul Thomson, Leiter der Europaabteilung des IWF, habe laut FT diese Forderung aufgestellt.

Bundesfinanzminister Schäuble dementierte die Meldung: Der IWF dringe nicht auf einen Schuldenschnitt für Griechenland. "Natürlich hat Herr Thomsen diese Äußerung nicht gemacht", sagte Schäuble. Es sei allerdings "normal", dass EU, EZB und IWF überprüften, ob die Schuldentragfähigkeit Griechenlands gewährleistet sei. Thomsen habe darauf hingewiesen, welche Auswirkungen sich durch die "eingetretene Verschlechterung" der Finanzlage Griechenlands in den vergangenen Monaten ergeben. Schäuble sagte, offenbar sei die Liquidität Griechenlands geringer geworden. "Da kann natürlich alles Mögliche passieren.

Anleger nahmen am Dienstag den Bericht gleichwohl zum Anlass, sich von griechischen Anleihen zu trennen. Der Risikoaufschlag für zehnjährige Papiere kletterte um einen Viertelprozentpunkt auf 10,92 Prozent. Die Rendite von Zwei-Jahres-Anleihen stieg sogar um 0,84 Prozentpunkte auf 20,37 Prozent.

Haushaltslage Griechenlands verschlechtert sich offenbar

Grund für die Drohung ist die sich verschlechternde Haushaltssituation in Griechenland. Für dieses Jahr war ein Primärüberschuss von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) angestrebt. Beim Primärüberschuss werden Zinszahlungen herausgerechnet.

Nach dem Antritt der neuen griechischen Regierung hat sich die Wirtschafts- und Haushaltssituation deutlich verschlechtert, für das laufende Jahr wird jetzt ein Primärdefizit erwartet. Laut dem Bericht rechnet der IWF nach neuen Zahlen aus Athen mit einem Fehlbetrag von 1,5 Prozent.

Die Staaten der Eurozone sind der größte Geldgeber Griechenlands. Bisher haben sie sich gegen einen Schuldenschnitt gewehrt. Eine Alternative zu dem Schuldenschnitt wären laut dem Bericht drastische Reformen in Griechenland, die jedoch von der aktuellen Regierung verweigert werden.

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rei/dpa-afx/reuters

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