Freitag, 17. August 2018

Irisches Statistikamt rechnet Briefkastenfirmen heraus Irlands ehrliche Rechnung - die Wirtschaft ist ein Drittel kleiner

Finanzzentrum Dublin

Das irische Zentrale Statistikbüro hat etwas Neues entwickelt: ein Maß für die Größe der irischen Wirtschaft. Natürlich gab es so etwas vorher auch schon - das Bruttoinlandsprodukt (BIP), wie es weltweit nach einigermaßen einheitlichen Kriterien erhoben wird: die Summe aller im Land erzeugten Waren und Dienstleistungen.

Doch in Irland stößt das Konzept des BIP auf besondere Probleme. Die Republik ist ein Hort für globale Konzerne, die dort große Teile ihrer weltweiten Geschäfte abrechnen oder gleich ihren offiziellen Hauptsitz nehmen wie zuletzt der Dax-Konzern Linde Börsen-Chart zeigen, aber vergleichsweise wenig lokale Präsenz haben.

Die Wirtschaftskraft, die den Iren tatsächlich zur Verfügung steht, beziffern die Statistiker auf 189 Milliarden Euro für das Jahr 2016 - gut 86 Milliarden weniger als das offizielle BIP. Die neue Zahl nennen sie Bruttonationaleinkommen*.

Die Kluft zur Realität wird noch größer

Vom BIP werden alle ins Ausland gehenden Einkommen wie Firmengewinne abgezogen (und Einkommen von Iren aus dem Ausland hinzugerechnet). Dieses Bruttonationaleinkommen (BNE) hat das Amt zusätzlich um nur zum Schein in Irland sitzende Firmen sowie die Wertberichtigung von Patenten, Copyrights und anderem geistigen Eigentum oder auch den in Irland registrierten Flugzeugflotten von Leasingfirmen bereinigt.

Das BNE* solle "die Effekte der Globalisierung" aus den Daten heraushalten, und so "weniger anfällig für Schocks und Einmaleffekte" sein, erklärte Jennifer Banim, Leiterin der Abteilung für Wirtschaftsstatistik. Mit seiner Innovation sieht sich das Amt als Vorreiter der internationalen Statistikergemeinde.

Allerdings gibt es in den meisten anderen Industrieländern keine erheblichen Unterschiede zwischen BIP und BNE. In Irland ist die Kluft seit den frühen 80er Jahren gewachsen, als sich die Nation als Investitionsziel und Steueroase etablierte. Zuletzt wurde sie sogar noch größer, obwohl Auswüchse wie der von Konzernen mit Scheinfirmen genutzte Trick "Double Irish with a Dutch Sandwich" auf internationalen Druck hin begrenzt wurden.

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