Dienstag, 11. Dezember 2018

Kräftiger Kurssturz lässt Geldinstitute taumeln Griechenland erwägt Rettungsschirm für Krisen-Banken

Filiale der griechischen Piraeus Bank.

Gut 88 Milliarden Euro an "faulen Kredite" stehen in den Büchern griechischer Banken. Die sind jüngst an der Börse mächtig unter Druck geraten, was die Athener Regierung alarmiert und auf den Plan ruft.

Die betroffenen Banken können nun auf einen staatlichen Rettungsplan hoffen. Faule Darlehen in Milliardenhöhe könnten in eine Zweckgesellschaft ausgelagert werden, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von mit den Vorhaben der Regierung vertrauten Bankern. Auf diese Weise könnten die Bilanzen der Geldhäuser entlastet werden.

"Es gibt einen solchen Plan", sagte ein leitender Banker. "Der Plan wurde der Regierung, den europäischen Behörden und der Bankenaufsicht vorgelegt." Offen ist allerdings, ob die europäischen Wettbewerbsbehörde dafür grünes Licht geben oder dies als verbotene staatliche Beihilfe werten würde.

Zur Jahresmitte summierten sich die faulen Kredite der griechischen Banken auf 88,6 Milliarden Euro. Das entspricht 47,6 Prozent des gesamten Kreditsumme. Als faul gelten Darlehen dann, wenn eine Rückzahlung durch die Schuldner fraglich ist. Bekommen die Gläubiger ihr Geld nicht zurück, können sie selbst in Schieflage geraten.

Investoren hatten am Mittwoch in großem Stil Aktien griechischer Banken verkauft. Die Papiere des Branchenprimus Piraeus Bank brachen um fast 30 Prozent ein. Auch die Papiere von Alpha Bank, Eurobank und National Bank standen unter Druck. Am Donnerstagmorgen entspannte sich die Lage aber. Die griechischen Großbanken hatten im Mai 2018 einen Stresstest der europäischen Bankenaufsicht ohne größere Blessuren überstanden.

Bankenrettungsfonds sträubt sich gegen Rettungsschirm

Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte eine Dringlichkeitssitzung einberufen, bei der ein "Interventionsplan" beschlossen wurde, wie das Büro des griechischen Premiers mitteilte - ohne Details zu nennen. Finanzminister Euklid Tsakalotos sagte im Parlament, die Herausforderung der "faulen Kredite" könne bewältigt werden: "Reden Sie nicht von Banken, die zusammenbrechen. Das ist nicht richtig. Es ist nicht wahr." Vize-Premier Giannis Dragasakis sagte zuvor im Staatsfernsehen (ERT): "Spekulanten sind zurzeit am Werk."

Der griechische Bankenrettungsfonds HFSF bestätigte die Pläne zunächst nicht. "Es gibt keinen endgültigen, konkreten Plan", sagte ein HFSF-Mitarbeiter. Ein hochrangiger Regierungsvertreter betonte, dass Athen "solche Lösungen nicht unmittelbar prüfen werde".

Die griechische Industrie forderte die Regierung auf, den Reformkurs beizubehalten. "Statt sich mit Nachdruck auf Reformen zu konzentrieren, werden Wahlversprechen gemacht", kritisierte der Präsident des griechischen Industrieverbandes, Thodoros Flessas, in Athen. Die griechische Wirtschaft wachse mit nur zwei Prozent. Aus diesem Grund gebe es "kein Geld zur Verteilung". Das größte Problem für Investoren seien weiterhin die Korruption und die Bürokratie.

Die Regierung unter Tsipras strebt an, auf die mit den internationalen Geldgebern vereinbarten Rentenkürzungen von bis zu 18 Prozent ab 1. Januar 2019 verzichten zu können. In Griechenland müssen bis spätestens September 2019 Parlamentswahlen erfolgen. Beobachter schließen aber einen früheren Termin nicht aus.

wed/Reuters/dpa

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