Freitag, 15. Dezember 2017

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Das Euro-Referendum und die Folgen Griechenland sagt "Nein" - und kann damit die Euro-Zone retten

Gefühlvoll: Die Griechen, hier einige Wähler auf dem Syntagma-Platz vor dem Parlament in Athen, haben nach Angaben des Innenministeriums klar gegen die Vorgaben der Geldgeber gestimmt.

Die griechischen Wähler haben mit ihrem klaren "Nein" Europa einen großen Dienst erwiesen. Sie wollen nicht weiter sparen. Sie haben es satt, sich von den Euro-Partnern Vorschriften machen zu lassen.

Die europäischen Geldgeber sollten das Votum des griechischen Volkes ohne Bitterkeit akzeptieren - und müssen nun ihrerseits genauso klar sein wie das griechische Volk.

Eine klare Linie bedeutet für die Geldgeber: Ohne Reformen keine neuen Milliardenhilfen. Der Versuch, Griechenland mit immer neuen Milliarden im Euro zu halten, ist gescheitert. Griechenland muss mit einer neuen Währung einen Neuanfang wagen. Damit gibt Hellas auch der Euro-Zone eine Chance, wieder glaubwürdig und stabil zu werden.

Dass Griechenland in die Pleite rutschen und seine Schulden niemals zurückzahlen wird, ist für die Euro-Partner eine schmerzhafte, aber überfällige Erkenntnis. Viel zu lange haben Merkel, Juncker, Hollande und ihresgleichen an dieser politischen Überlebenslüge festgehalten.

Aber die Euro-Zone wird nicht an der Pleite Griechenlands oder an den abzuschreibenden Milliarden zugrunde gehen. Eine Staatspleite ist für Europa teuer, aber verkraftbar. Was den gemeinsamen Währungsraum in den vergangenen Monaten und Jahren statt dessen in existenzielle Gefahr gebracht hat, war der Verlust an Klarheit und Glaubwürdigkeit.

EZB muss Hellas den Geldhahn zudrehen

Viel zu lange haben sich Europas Spitzenpolitiker von einer irrlichternden Syriza-Regierung vorführen lassen. Sind eilig zu Spitzentreffen angereist, obwohl es noch nicht einmal eine schriftliche Verhandlungsgrundlage gab. Haben die Spielregeln der Euro-Zone immer weiter gedehnt, obwohl es das einzige Ziel von Syriza ist, die Spielregeln des verhassten "Eurokratie"-Systems grundlegend zu ändern. Und wie zerstört man ein System? Indem man seine wichtigsten Vertreter lächerlich und unglaubwürdig macht.

Gleiches gilt für die Europäische Zentralbank. Die EZB darf keine griechischen Banken künstlich am Leben erhalten, die unmittelbar vor dem Kollaps stehen. Am 20. Juli muss Griechenland 3,5 Milliarden Euro an die europäische Notenbank zurückzahlen: Bleibt die Zahlung aus, muss die EZB Hellas den Geldhahn zudrehen. Im Bemühen, den zaudernden Euro-Politikern mehr Zeit zu kaufen, hat EZB-Chef Mario Draghi sein Mandat bereits sehr weit gedehnt - nun muss die EZB klar und konsequent sein, wenn sie ihre Glaubwürdigkeit retten will.

Humanitäre Hilfe statt neuer Euro-Hilfen - Hellas braucht Parallelwährung

Auf die Menschen in Griechenland kommen schwierige Monate zu. Banken und leider auch viele Unternehmen dürften innerhalb kürzester Zeit zusammenbrechen. Die Euro-Partner werden sehr schnell humanitäre Hilfe organisieren und das Land mit Nahrungsmitteln, Medikamenten und Energie versorgen müssen.

Niemand kann Griechenland aus dem Euro werfen: Doch um langfristig überhaupt noch Löhne und Renten zahlen zu können, wird die griechische Regierung ganz von selbst gezwungen sein, eine Parallelwährung neben dem Euro einzuführen. Syrizas Wahlversprechen werden sich dann in Luft auflösen. Mit dieser drastisch abgewerteten Parallelwährung hat die griechische Wirtschaft bessere Chancen, wieder zu wachsen.

Die Menschen in Griechenland haben sich mit ihrem klaren und mutigen "Nein" entschieden, einen neuen Weg zu gehen. Europa hat dadurch die Chance, nach fünf Jahren Irrweg wieder einen Weg zu einer stabilen Euro-Zone zu finden. Zu einem Währungsraum, in dem Regeln eingehalten werden. Einer Euro-Zone, in der Klarheit herrscht und in der sich die handelnden Politiker wieder vertrauen können. Nur so kann die Euro-Zone überleben - auch ohne Griechenland.

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