Montag, 19. November 2018

Abschluss des EU-Rettungsprogramms Griechenland will zurück an Kapitalmarkt, S&P hebt Bonität

Gut geschützt: Ausgestattet mit 15 Milliarden Euro von den EU-Partnern versucht Griechenland die Rückkehr an den freien Kapitalmarkt

Die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) sieht nach dem beschlossenen Abschluss des EU-Rettungsprogramms die Kreditwürdigkeit Griechenlands positiver. Das Rating sei um eine Stufe von "B" auf "B+" heraufgesetzt worden, teilte S&P am Montagabend in London mit. Der Ausblick sei "stabil". Am Dienstag gab die Rendite griechischer Staatspapiere im frühen Handel etwas nach, die Bewegung hielt sich aber in Grenzen.

Die Bonitätswächter begründeten ihre Entscheidung mit der jüngsten Bekanntgabe von Schuldenerleichterungen durch die Eurogruppe. Vor dem Wochenende hatten die EU-Finanzminister eine Einigung erzielt, die es Griechenland ermöglichen soll, nach acht Jahren das Euro-Rettungsprogramm zu verlassen und ab August finanziell wieder auf eigenen Beinen zu stehen.

Weitere 15 Milliarden Euro an Krediten und Erleichterungen

Dafür bekommt Athen im Gegenzug für weitere Spar- und Reformbemühungen noch einmal 15 Milliarden Euro an Krediten und Schuldenerleichterungen von den Euro-Partnern. Die Laufzeiten älterer Kredite werden um weitere zehn Jahre hinausgeschoben und Zinsgewinne der Europartner sollen gutgeschrieben werden.

Hellas startet mit 24 Milliarden Euro am Kapitalmarkt

Griechenland soll demnach mit einem Finanzpolster von 24,1 Milliarden Euro an den Kapitalmarkt starten, durch das der Schuldendienst in jedem Fall für 22 Monate gesichert ist.

Hauptziel der Einigung ist, das Vertrauen von Anlegern zu stärken und Griechenland die Aufnahme von Krediten zu erleichtern. Das verbesserte Rating von S&P ist nun ein Hinweis darauf, dass die Strategie wirkt. Positiv hat sich laut den Bonitätswächtern aber auch ausgewirkt, dass griechische Banken zuletzt Fortschritte beim Abbau der hohen Bestände an faulen Krediten gemacht haben.

Griechenland befindet sich aber trotz des verbesserten Ratings nach Einschätzung von S&P - wie auch der anderen führenden Ratingagenturen - weiterhin im sogenannten Ramsch-Bereich. Das Land gilt also als für eine sichere Geldanlage ungeeignet und kommt somit für viele große institutionelle Investoren wie Versicherer nicht in Frage. Nach wie vor bleibe der staatliche und private Schuldenberg hoch und die Anziehungskraft des Landes auf Investitionen aus dem Ausland sei gering, hieß es von S&P.

la/dpa

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