Montag, 22. Oktober 2018

Milliardär beklagt "repressive Politik" George Soros' Stiftung flieht aus Budapest - nach Berlin

Mit Anti-Soros-Postern wetterte die Regierungspartei gegen George Soros

Die Stiftung des US-Milliardärs George Soros verlässt wegen der "repressiven" Politik der Regierung Ungarn und verlegt ihren Sitz nach Berlin. "Konfrontiert mit einem zunehmend repressiven politischen und juristischen Umfeld in Ungarn, verlegt die Open-Society-Stiftung (OSF) ihre Budapester Aktivitäten und ihr Personal in die deutsche Hauptstadt Berlin", heißt es in einer Mitteilung der Organisation, die am Dienstag an ihrem Hauptsitz in New York veröffentlicht wurde.

Die Stiftung ist seit 1984 in Ungarn tätig. Der Philanthrop und politische Kopf Soros wählte den Namen der Stiftung bewusst in Anlehnung an das weltberühmte Buch "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde" des Philosophen Karl Popper.

Soros' "Open Society" setzt sich für demokratische Bewegungen und Menschenrechte in mehr als 120 Ländern ein. In Ungarn wandte sie dafür bisher 400 Millionen US-Dollar (324,8 Millionen Euro) auf. Im vergangenen Herbst hatte Soros der Stiftung 18 Milliarden Dollar und damit einen Großteil seines Vermögens übertragen.

Weltruf erreichte Soros mit seinen Wetten gegen das britische Pfund, das er 1992 in die Knie zwang. Soros, ein in Ungarn geborener Holocaust-Überlebender, und seine Stiftung stehen seit längerer Zeit im Zentrum von Angriffen der Regierung des rechtsnationalen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban. Der Staatschef hatte Soros wiederholt beschuldigt, über seine Stiftung von außen eine "Masseneinwanderung" in die EU zu steuern und den US-Milliardär unter anderem als "Staatsfeind" bezeichnet.

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Nach dem Wahlsieg von Orbans Fidesz-Partei bei der Parlamentswahl am 8. April verschärften sich die Angriffe. Das neue Parlament soll bereits im Juni Gesetze billigen, die Zivilorganisationen in die Illegalität drängen könnten. Etliche dieser Organisationen werden von der OSF unterstützt.

dpa,rtr,afp,akn,rei

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