Sonntag, 25. September 2016

Bizarre Verteidigung der EZB Wir sind auch keine große Hilfe - aber wer sonst?

Einsame Kämpfer mit bescheidenen Mitteln: EZB-Präsident Mario Draghi mit Vize Vítor Constâncio

Ein überzeugender Auftritt sieht anders aus. Der Dreischritt der Europäischen Zentralbank - länger mehr Staatsanleihen kaufen, den Einlagenzins noch ein bisschen tiefer ins Negative senken, und den Ausleihzins auf symbolische 0,0 - hat die Märkte kaum beeindruckt. Der Euro Börsen-Chart zeigen stieg am Donnerstag nach der Entscheidung sogar noch gegenüber dem Dollar. Für den wirksamen Kampf gegen Stagnation von Wachstum und Preisen hätte man sich mehr erwartet.

Die Frankfurter Institution erscheint ohnmächtig - und reagiert darauf in einer Art, die diesen Eindruck nur noch verstärkt.

"Zur Verteidigung der Geldpolitik" hat Vizepräsident Vítor Constâncio seinen an diesem Freitag auf der EZB-Website veröffentlichten Beitrag überschrieben. Hat jemand ganz grundsätzlich etwas gegen Geldpolitik an sich gesagt, abgesehen vielleicht von der AfD?

Tatsächlich dreht sich das Argument eher um den - auch auf manager-magazin.de erhobenen - Vorwurf, die Maßnahmen der EZB reichten nicht aus und verlören an Wirksamkeit.

Selbstzeugnis: "Unzureichend"

Worauf der Portugiese nicht etwa mit Zuversicht antwortet, die erwünschte Inflation schon bald hinzubekommen und Europas verlorenes Jahrzehnt zu beenden. "Selbstverständlich haben alle Maßnahmen ihre Grenzen", räumt er vielmehr ein, "insbesondere" die Negativzinsen.

Geldpolitik allein könne die Gefahr einer dauerhaften Stagnation nicht abwenden. Was die EZB bisher getan habe, sei zugegebenermaßen "unzureichend" - das ist kaum zu bestreiten, fiel die Inflationsrate im Euro-Raum doch zuletzt unter null, statt sich den angepeilten 2 Prozent zu nähern.

Was also spricht dafür, diesen Weg weiter fortzusetzen? Ganz einfach, weil sonst keine Rettung in Sicht ist, argumentiert Constâncio.

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