Dienstag, 11. Dezember 2018

EU-Streit um Transfers Warum Osteuropäer die wahren Nettozahler sind

Bulgarin vor EU-Flagge

2. Teil: Warum Tschechen und Ungarn unterm Strich mehr zahlen

Der Punkt sei durchaus berechtigt, findet Piketty: Die europäische Integration habe den Ost-Staaten zwar eine produktivere Wirtschaft und Jobs gebracht, die Gewinne würden aber großteils in den Westen transferiert. Während die Ungleichheit innerhalb dieser Länder gering bleibe, entstehe ein kolonialähnliches Verhältnis zur ausländischen Oberschicht. Die Summe übersteige die staatlichen Transfers aus dem EU-Haushalt bei weitem, wie Daten aus der neuen Doktorarbeit von Pikettys Doktorand Filip Novokmet zeigen.

Über die Jahre 2010 bis 2016 betrachtet, hat Polen demnach 4,7 Prozent seiner Wirtschaftsleistung als Kapitaleinkommen gen Westen geschickt - und zugleich nur 2,7 Prozent netto aus dem EU-Haushalt erhalten.

Für die Slowakei, die im vergangenen Jahr mit einem ersten Streik an der verlängerten Werkbank bei Volkswagen Furore machte, steht das Verhältnis 4,2 zu 2,2.

Noch ungünstiger fällt die Bilanz für Ungarn (Abflüsse von 7,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gegen Zuflüsse von 4 Prozent) und Tschechien (7,6 Prozent zu 1,9 Prozent) aus.

Piketty wirbt für eine "echte Demokratisierung" der europäischen Institutionen als Ansatz für einen Neustart der Union - erklärt jedoch nicht, wie das die Eigentümerstruktur von Kapital ändern würde. Ein Schluss jedoch bleibt: Im Konflikt die West-Staaten der EU mehr zu verlieren als die im Osten.

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