Montag, 25. Juli 2016

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Wie deutsche und französische Konzerne stärker kooperieren können Sind wir wirklich eine Einheit?

Stimmt es auch? Nach Attentaten in Paris befestigt ein Arbeiter ein Transparent am Rathaus in Stuttgart.

"Europa lässt sich nicht mit einem Schlage herstellen und auch nicht durch eine einfache Zusammenfassung. Es wird durch konkrete Tatsachen entstehen, die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen", hat Robert Schuman einmal gesagt. "Nous sommes unis", vernimmt man allenthalben nach den schrecklichen Attentaten in Frankreich. Das hört sich gut an. Aber sind wir wirklich einig in Europa?

65 Jahre nach der Erklärung des damaligen französischen Außenministers ist nationaler Egoismus wieder in ganz Europa zu beobachten. "Globalen Herausforderungen wird mit Erbsenzählermentalität begegnet, jeder schaut nur auf seinen eigenen kleinen Vorteil", beklagte kürzlich der Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz. "Man dürfe sich nicht auf "Solidarität à la carte" beschränken", forderte er.

Martin Schulz hat recht: Solidarität ist seit jeher eines der Grundprinzipien der Europäischen Union. In Zeiten von Flüchtlingskrise und internationalem Terror gilt das insbesondere auf politischer Ebene. Die furchtbaren Anschläge von Paris haben uns gezeigt, wie erschreckend weit wir noch von einer gemeinsamen Sicherheitspolitik entfernt sind.

Bénédicte de Peretti
Bénédicte de Peretti ist Gründerin und Managing Partner bei B2P Communications Consulting.
Aber auch die Wirtschaft muss ihren Beitrag zur europäischen Einigung leisten. Weil wirtschaftliche Zusammenarbeit und ein gesunder Wettbewerb erst die Grundlagen für Wachstum, Wohlstand und damit auch für die Akzeptanz politischen Miteinanders schaffen.

Leider enttäuscht auch hier, welcher Graben sich immer noch zwischen Wunsch und Wirklichkeit auftut, wie sehr wir uns immer noch im Wohlklang flauschiger Reden räkeln, ohne die notwendigen konkreten Aktionen folgen zu lassen. Warum ist die Wirtschafts- und Währungsunion immer noch nicht vollendet? Warum haben so viele Länder die Richtlinie zur Bankenabwicklung nach wie vor nicht umgesetzt? Warum haben wir immer noch zu wenige europäische "Champions" - Unternehmen, die in der Lage sind, mit ihrer Wirtschaftskraft und gebündelten Kompetenzen unseren Anteil am Weltmarkt auch in Zukunft zu sichern? Warum keine europäische "GAFAS"?

Die Diskussion, die die Fusion von Krauss-Maffei Wegmann mit dem französischen Unternehmen Nexter in der deutschen Öffentlichkeit begleitet hat, war symptomatisch. Wie klug ist es denn, für "nationale Konsolidierung" zu plädieren und sich gegenseitig in allen wichtigen Märkten Konkurrenz zu machen, wenn man gleichzeitig zusehen kann, wie schnell China seine eigene Industrie aufbaut und die damit verbundenen Interessen bedingungslos verteidigt? Bis wir unsere kleinkarierten "nationalen" Konsolidierungen abgeschlossen haben, sind wir auf dem Weltmarkt lange erledigt, eine europäische Konsolidierung können wir uns dann ohnehin sparen.

Es genügt, sich all die Industrien in Erinnerung zu rufen, die uns bereits entglitten sind: Unterhaltungselektronik, Halbleiter, Informatik... und als jüngstes Beispiel die Solarenergie, ein Lehrbuch an falschen Entscheidungen, die dazu geführt haben, dass der europäische Markt den Chinesen innerhalb weniger Jahre komplett überlassen wurde.

Aber war das Verschwinden unserer einst florierenden europäischen Industrien wirklich so unvermeidlich? Hätten wir nicht manches verhindern können, wenn wir unsere europäischen Kräfte rechtzeitig gebündelt hätten, anstatt uns aus kurzsichtigem Egoismus heraus und gegenseitig zu bekämpfen? Muss es wirklich sein, dass wir - Deutsche und Franzosen - um den Verkauf U-Boote nach Australien konkurrieren, obwohl wir wissen, dass die dadurch erzielten Konditionen selbst für den Gewinner unvorteilhaft sind und unter dem Strich Arbeitsplätze in beiden Ländern kosten?

Dass wir die Rüstung nach wie vor brauchen, nicht nur um Jobs zu sichern, sondern auch, um unsere Demokratie zu schützen, das haben die jüngsten Ereignisse uns in erschreckender Weise vor Augen geführt. Aber ist es vernünftig, in Zeiten knapper Kassen weiterhin mehrere konkurrierende und dazu auch noch teure Rüstungsprogramme zu betreiben?

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