Montag, 11. Dezember 2017

Alle Artikel und Hintergründe

EU-Visionär will den Euro für alle EU-Staaten Der Juncker-Check - sind diese Länder reif für den Euro?

9. Teil: Der verschmähte Musterschüler Bulgarien

Tabakernte nahe Sofia

Bulgarien ist das mit Abstand ärmste EU-Land (nur 48 Prozent des Durchschnittseinkommens) - aber auch dasjenige, das schon am längsten die formellen Bedingungen für den Euro erfüllt. Die Landeswährung Lew wird immer im Verhältnis 1:1,95583 zum Euro getauscht. Manche Deutsche kennen das noch als Umtauschkurs der D-Mark, denn genau an die war der Lew schon lange fest gebunden.

Bulgarien klopfte schon mehrmals laut an die Tür zur Währungsunion, wurde aber entweder durch nachträglich korrigierte Statistiken abgewiesen oder dazu gedrängt, den Antrag freiwillig zurückzustellen. In Zeiten der Euro-Krise fürchtete die Euro-Gruppe wohl das Signal, sich noch ein Armenhaus einzugemeinden.

Beitrittskriterien: In jeder Hinsicht grünes Licht, bis auf die Mitgliedschaft im ERM II. Aber der feste Umtauschkurs ist noch strenger und stabiler als das im ERM vorgesehene Band von plus/minus 15 Prozent.

Euro-Stimmung: Die Bulgaren sind inzwischen nach der ewigen Warterei unentschlossen, ob sie überhaupt noch wollen. Laut Eurobarometer gibt es ein Patt von 50 zu 45 Prozent. Viel ändern würde sich ohnehin nicht. Und immerhin steht auf den Euro-Scheinen bereits den Bulgaren zuliebe auch kyrillische Schrift.

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH