Montag, 11. Dezember 2017

Alle Artikel und Hintergründe

EU-Visionär will den Euro für alle EU-Staaten Der Juncker-Check - sind diese Länder reif für den Euro?

2. Teil: Die Schweden zwingt ja keiner

Schwedische Kronen-Note

Schweden ist die größte Volkswirtschaft in der EU (außer Großbritannien), die sich vom Euro fernhält - und diejenige, die am meisten dazu beitragen könnte, die Währungsunion zu stabilisieren. Im Jahr 2003 stimmte eine leichte Mehrheit bei einem Referendum mit Nein. Seitdem lassen alle schwedischen Regierungen das Thema bewusst in der Schwebe.

Beitrittskriterien: Schweden erfüllt regelmäßig fast alle Punkte, die im Maastrichter Vertrag als Bedingungen für den Euro-Beitritt genannt werden: Der Staatshaushalt weist sogar einen Überschuss auf; die Schuldenquote liegt mit gut 40 Prozent der Wirtschaftsleistung deutlich unter der 60-Prozent-Grenze; die Zinsen liegen wie in der Euro-Zone nahe null; die Inflation ist mit 2,3 Prozent nur zeitweilig über der Benchmark der deflationären Euro-Länder wie Irland - aber kaum über dem mittelfristigen EZB-Ziel.

Nur ein Kriterium fehlt: die Mitgliedschaft im Euro-Warteraum ERM II, in dem die Wechselkurse kontrolliert werden, um eine Abwertung zu verhindern. Das ist nur eine Formalie - doch darauf zieht sich Schweden zurück: Die Verträge verpflichten das Land zwar, den Euro zu übernehmen. Doch niemand kann es zwingen, dem ERM II beizutreten und damit die notwendigen Bedingungen zu erfüllen.

Euro-Stimmung: Laut der europaweiten Meinungsumfrage Eurobarometer waren im April 62 Prozent der Schweden gegen die Einführung des Euro, nur 35 Prozent dafür. Da die Parteien erst wieder ein neues Referendum über den Beitritt ansetzen wollen, wenn sich ein Stimmungswandel abzeichnet, steht das in weiter Ferne.

Die Euro-Skepsis war im Norden allerdings auch schon einmal noch größer. Und zuletzt kündigte die Großbank Nordea an, ihren Hauptsitz in die Euro-Nation Finnland zu verlegen - weil sie sich wegen ihrer grenzüberschreitenden Geschäfte sowieso der Bankenunion unterwerfen muss und daher durch den Umzug Geld spart.

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH