Montag, 26. Juni 2017

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Interne Dokumente Macrons Wahlkampfteam meldet Daten-Loch

Emmanuel Macron im April 2017

E-Mails, Rechnungen und Verträge: Kurz vor der Stichwahl in Frankreich am Sonntag sind Interna aus dem Wahlkampfteam von Präsidentschaftskandidat Macron verbreitet worden. Seine Mitarbeiter sprechen von einem Angriff auf die Demokratie.

Für die Verantwortlichen der Bewegung "En Marche!" (EM) ist es der befürchtete Info-Gau: Das Pariser Hauptquartier der Bewegung des französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron wurde nach eigenen Angaben Opfer eines schweren Hackerangriffs. Dabei gelang offenbar der Zugriff auf vertrauliche Insider-Dossiers. Die Aktion sei "massiv und koordiniert", teilte die EM-Pressestelle am späten Abend mit.

Macron geht am Sonntag laut Umfragen als klarer Favorit in die Stichwahl gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen. Die Abstimmung gilt wegen Le Pens Anti-EU-Kurs als Richtungsentscheidung für den ganzen Kontinent. Die Front-National-Politikerin will ihr Land aus dem Euro führen und ihre Landsleute über Frankreichs EU-Mitgliedschaft abstimmen lassen. Macron ist hingegen europafreundlich und strebt eine enge Partnerschaft mit Deutschland an. Schon während des Präsidentschaftswahlkampfs in den USA hatten Hackerangriffe gegen die Bewerberin Hillary Clinton Einfluss gehabt - unklar ist allerdings bislang, in welchem Ausmaß.

In Frankreich hätten sich die Täter auf interne Informationen wie E-Mails, Rechnungen, und Verträge konzentriert, die anschließend in den sozialen Netzwerken verbreitet wurden. Laut dem EM-Kommuniqué wurden die veröffentlichten Schriftstücke bereits vor einigen Wochen kopiert, nachdem sich Unbekannte illegalen Zugang zu den persönlichen und beruflichen E-Mail-Konten von Verantwortlichen der politischen Bewegung verschafft hätten.

Die authentischen Akten seien nun zusammen mit einer Reihe von gefälschten Unterlagen veröffentlicht worden, um "Zweifel und Desinformation" zu verbreiten. Rund neun Gigabyte an Daten wurden von einem Nutzer mit dem Namen EMLEAKS auf der Plattform Pastebin veröffentlicht. Das Innenministerium wollte sich nicht dazu äußern. Die französische Wahlkommission warnte Medien davor, Inhalte der Dokumente zu veröffentlichen. Eine Zuwiderhandlung könnte strafrechtlich geahndet werden.

"Es geht hier nicht nur um einen schlichten Hackerangriff, sondern um den Versuch, die französischen Präsidentschaftswahlen zu destabilisieren", teilt EM weiter mit. Die Initiatoren der Aktion wollten der Kampagne Macrons offenbar kurz vor der Stichwahl großen Schaden zufügen.

Hackerangriffe bereits in der Vergangenheit

Tatsächlich erfolgte die Veröffentlichung der Interna just eine Stunde vor dem offiziellen Schluss des Wahlkampfes in Frankreich - seit Mitternacht ist jede Form von Parteien-Werbung gesetzlich untersagt. Diese Polit-Quarantäne gilt auch für Privatpersonen, die Informationen oder Propaganda auf öffentlichen Internetseiten, Blogs, Facebook oder Twitter weiterleiten.

Unklar ist, ob die veröffentlichten Interna Macron politisch überhaupt treffen können: Die EM-Organisatoren versicherten, dass die Finanzierungsunterlagen ohnehin mit Abschluss des Wahlkampfes der zuständigen Nationalen Kommission für die Kampagnen-Konten (CNCCFP) zugestellt würden. Dennoch könnten persönliche Bewertungen über Mitarbeiter oder politische Rivalen dem Kandidaten schaden.

Das Wahlkampfteam im 15. Pariser Bezirk war in der Vergangenheit bereits Ziel von elektronischen Dauerangriffen gewesen, hatte der EM-Generalsekretär Richard Ferrand Mitte Februar mitgeteilt. Ende April bestätigte das EM-Wahlkampfteam zudem einen Bericht von Trend Micro, einem Unternehmen für Cybersicherheit. Demnach waren hochrangige Mitglieder der Bewegung von Phishing betroffen. Sie sollten über gefälschte Mails dazu verleitet werden, Schadsoftware auf ihre Computer zu laden sowie Logins und Passwörter zu verraten.

Warnung vor russischer Einmischung

Trend Micro machte in seinem Bericht die Gruppe Pawn Storm hinter dem Vorgehen aus. Sie ist eine der ältesten Cyberspionagegruppen. Experten bringen die Gruppe mit dem russischen Militärgeheimdienst in Verbindung. "En Marche!" hatte seither die Sicherheitsbemühungen verstärkt: Mit geschützten Servern, der Nutzung von verschlüsselten Telefonnetzen und mehrfacher Authentifizierung beim Zugriff auf sensible Daten.

Die französische Regierung hatte wiederholt vor einer russischen Einmischung in den Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich gewarnt. Sie verdächtigte Moskau, die Wahl zugunsten von Le Pen beeinflussen zu wollen, die als russlandfreundlich gilt.

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