Dienstag, 18. Dezember 2018

Datenschutz - der D-Day ist da Drei Gründe, warum wir die DSGVO lieben sollten

Körperscanner: Die Verbraucher können zukünftig sagen, was mit ihren Daten passieren soll

3. Teil: Liebesgrund 3: Selbstbestimmung ist etwas Wundervolles

Was ist so schlimm an Selbstbestimmung? Die DSGVO mag kurzfristig für Unternehmen ein Horror sein. Ein bürokratisches Monster, das Ressourcen frisst. Kurzfristig werden sich unlautere Abmahnungsanwälte daran bereichern. Es wird eine Reihe von Gerichtsverfahren geben, in denen grundsätzliche Fragen geklärt werden. Ja, all das nervt. Mittel- bis langfristig wird die DSGVO jedoch zu einer neuen Kultur der digitalen Selbstbestimmung führen. Und das ist wunderbar.

Für die Internetkonzerne heißt es, Abschied zu nehmen von einigen lieb gewonnenen Grundsätzen ihrer Geschäftsmodelle, etwa vom sogenannten Lock-in-Effekt, einer raffinierten Methode, mit der Sie aus dem Ökosystem eines digitalen Anbieters nicht mehr so leicht herauskommen. Ein Beispiel: Wenn Sie die Ebay-Plattform verlassen, verlieren Sie automatisch Ihre Reputation als Käufer oder Verkäufer in Form von Bewertungen. Künftig können Sie sagen: "Bitte meine Bewertungen einmal hübsch einpacken, ich möchte sie gerne zur Konkurrenz mitnehmen." Sie lassen sich bei einem Online-Händler einen Body Scan mit Ihren Maßen anfertigen. Bislang dienten die Daten dazu, dass Sie möglichst nur bei diesem einen Händler einkaufen. Jetzt sagen Sie: "Mit diesen Maßen würde ich mir gerne von ihrer Konkurrenz einen Anzug fertigen lassen."

Endlich verständlich: Alles über den neuen, europaweiten Datenschutz

Bislang erstellte Facebook ein Profil, das mindestens so top secret war wie eine Geheimdienstakte. Künftig können Sie sagen: "Was, ich bin ein Kandidat für Abführmittel? Bitte aus meinem Profil herausnehmen, ich will nicht, dass Sie das speichern." Ohne Begründung, einfach nur so. Fantastisch! Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Ich finde, dass Selbstbestimmung etwas Wunderbares ist.

Das eigentliche Versagen von Facebook und Co. besteht darin, dass es erst eine europäische Datenschutzverordnung brauchte. Dieselben Unternehmen, die sich in der Werbung als besonders kundenfreundlich preisen, waren - sobald man hinter die Kulissen blickte - extrem kundenunfreundlich. "Was? Sie möchten wissen, welche Daten wir gespeichert haben? Was sind Sie denn für ein merkwürdiger Vogel...?" Das war die Einstellung. Künftig wird es lauten: "Einmal Datenauskunft, bitte? Kein Problem."

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