Freitag, 15. Dezember 2017

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Rekord-Negativzins Wie der letzte Euro-Wartekandidat Dänemark um die Krone kämpft

Frisch aus der Notenpresse: Die Nationalbank wirft massenhaft Kronen auf den Markt
REUTERS/Danish National Bank
Frisch aus der Notenpresse: Die Nationalbank wirft massenhaft Kronen auf den Markt

Die dänische Nationalbank stemmt sich gegen Spekulanten, die auf die Trennung der Krone vom Euro wetten. Viermal in drei Wochen hat sie die Zinsen gesenkt, tief ins Minus. Verrückte Welt: Private Schuldner bekommen im Einzelfall jetzt sogar noch Zinsen von der Bank.

Hamburg - "Whatever it takes", das hatten wir doch schon einmal? Mit diesen Worten bekannte sich EZB-Präsident Mario Draghi vor drei Jahren dazu, den Euro mit allen Mitteln zu verteidigen. Dieselben Worte wählte am Donnerstag sein dänischer Kollege Lars Rohde, um die feste Bindung der dänischen Krone an den Euro zu verteidigen.

Was immer dazu nötig ist - das ist bereits eine Menge. Seit diesem Freitag verlangt die Nationalbank für Einlagen einen Zins von minus 0,75 Prozent. Schon seit 2012, mit einer kurzen Unterbrechung im vergangenen Jahr, experimentieren die Dänen mit Strafzinsen. Aber so tief ins negative Terrain wie jetzt reichten sie noch nie.

Neuerdings reichen manche Banken wie Nordea Börsen-Chart zeigen die Minuszinsen sogar an Kreditkunden weiter: Wer in Dänemark Geld für ein Haus leiht, kann dafür mitunter Zinsen von der Bank kassieren. Und das, obwohl die bereits hohe Verschuldung der Immobilienbesitzer als eines der großen ökonomischen Probleme im Land gilt.

Devisenreserven wachsen im Januar um ein Viertel

Gemeinsam mit den Schweizern halten die Dänen jetzt den Minuszins-Weltrekord. Es ist bereits die vierte Senkung des Einlagenzinses in drei Wochen, seitdem die Schweiz zur allseitigen Überraschung ihre vorübergehende Euro-Bindung aufgegeben hat und den Franken aufwerten ließ.

Nun grassiert die Spekulation, dass Dänemark dies auch tun könne, woraufhin die Krone rasch an Wert gewinnen würde. Um gegen diesen Zustrom von Hot Money den Wechselkurs in einem engen Band um 7,46 Kronen pro Euro zu halten, wirft die Nationalbank massenhaft eigenes Geld auf den Markt. Allein im Januar wuchsen ihre Devisenreserven um 106 Milliarden Kronen (14 Milliarden Euro) oder ein knappes Viertel des bisherigen Bestands. "Es gibt keine Obergrenze", beteuert Rohde.

Anders als die Schweizerische wäre die Dänische Nationalbank also bereit, ihre Bilanzsumme grenzenlos mit Euro-Käufen auszudehnen. Die von der EZB geplanten Anleihenkäufe könnten das erfordern, denn das drückt den Außenwert des Euro und für die Kopenhagener wird es schwierig, wie gewohnt die Geldpolitik aus Frankfurt zu kopieren.

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