Donnerstag, 21. Juni 2018

Britischer Außenminister Boris Johnson fürchtet "Brexit-Kollaps"

Boris Johnson: Langsam dämmert es sogar "Bojo", dass ein Brexit kein Spaziergang ist

Blitzmerker Boris Johnson: "Sie müssen jetzt damit rechnen, dass es einen Zusammenbruch geben könnte": Das sagte der britische Außenminister und Brexit-Fan Johnson bei einem Treffen, das heimlich aufgezeichnet wurde.

Vor der Abstimmung zu einem Ausstieg aus der EU hatte er noch Stimmung für den Brexit gemacht - nun fürchtet der britische Außenminister Boris Johnson offenbar unangenehme Konsequenzen daraus. Bei einem Treffen einer konservativen Gruppe warnte er vor einem "Brexit-Kollaps". Das soll aus einer heimlichen Tonaufnahme hervorgehen, über die unter anderem der britische "Guardian" berichtet.

"Sie müssen jetzt damit rechnen, dass es einen Zusammenbruch (Original: meltdown) geben könnte, okay? Ich will nicht, dass irgendjemand deswegen in Panik ausbricht. Zum Wohle der Öffentlichkeit, keine verdammte Panik. Am Ende wird alles gut werden", sagte er demnach.

Weiter wird er zitiert mit den Worten, die Brexit-Verhandlungen würden einen "Moment der Wahrheit" erreichen. Der Schritt werde vollzogen und könne auch nicht mehr rückgängig gemacht werden - aber es gebe das Risiko, dass es nicht so laufe, wie man es sich wünsche. Die britische Premierministerin Theresa May werde nun einen noch konfrontativeren Kurs gegen Brüssel fahren.

Die Briten sollen im März 2019 die EU verlassen. Wegen der zahlreichen Unklarheiten gewährt die EU dem Königreich aber eine Übergangsperiode bis Ende 2020. In der Zeit muss London sich an EU-Regeln halten, bewahrt sich dafür aber den Zugang zum EU-Binnenmarkt und zur Zollunion. Bei der Brexit-Abstimmung hatten seinerzeit 52 Prozent der Briten für einen EU-Ausstieg gestimmt, 48 Prozent dagegen.

Johnson sagte bei dem Treffen weiter, er bewundere US-Präsident Donald Trump zunehmend. Er sei "überzeugt, dass hinter seiner Verrücktheit Methode steckt", sagte er laut der Tonaufnahme. "Stellen Sie sich vor, Trump würde den Brexit machen. Er wäre verdammt hart... Es gäbe alle möglichen Formen des Zusammenbruchs und des Chaos. Alle würden denken, er sei durchgedreht. Aber tatsächlich kommst du damit irgendwohin. Es ist ein sehr, sehr guter Gedanke."

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