Sonntag, 4. Dezember 2016

Deflationsgefahr in Euro-Zone Fallende Preise in Europa - wie reagiert die EZB?

Die Preise in Europa fallen weiter. Erstmals seit September ist die Teuerungsrate wieder negativ - die Verbraucherpreise sind im Februar gegenüber Vorjahr leicht gefallen. Damit steigt der Druck auf die EZB, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen.

Die Preise fallen wieder: Vor allem die günstigen Energiepreise haben im Februar dafür gesorgt, dass die Teuerungsrate im Euro-Raum im Jahresvergleich um 0,2 Prozent gefallen ist. Dies teilte das Statistikamt Eurostat am Montag mit. Es ist die erste negative Rate seit vergangenen September.

Nach wie vor wird die Inflation durch günstige Energiepreise stark gebremst. Bei den Energiekosten habe es im Februar im Jahresvergleich einen Rückgang um 8,0 Prozent gegeben, hieß es in der Mitteilung. Daher fällt die Kernrate der Verbraucherpreise, ohne die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Lebensmittel deutlich höher aus.

Die Kernrate ist im Februar auch gesunken und zwar von 1,0 Prozent auf 0,7 Prozent. Hier war lediglich ein Rückgang auf 0,9 Prozent erwartet worden. Teurer waren im Februar laut Eurostat Nahrungs- und Genussmittel. Hier ermittelten die Statistiker einen Preisanstieg im Jahresvergleich um 0,7 Prozent.

EZB strebt Teuerung um 2 Prozent an

Die ungewöhnlich schwache Teuerung setzt die Europäische Zentralbank unter Druck, die für das Ziel der Preisstabilität eine Inflation von mittelfristig knapp zwei Prozent anstrebt. Ein Rückfall der Inflation in den negativen Bereich verstärke den Druck auf die Notenbank, ihre Geldpolitik noch ein Stück weit zu lockern, so die Einschätzung des Analysehauses Capital Economics.

"Die Euro-Inflationsrate lässt die EZB zittern", kommentierte Experte Christoph Weil von der Commerzbank. Nach seiner Einschätzung befürchtet die Mehrheit der Währungshüter "Zweitrundeneffekte durch den Ölpreisrückgang". Demnach könnten die Gewerkschaften wegen der gesunkenen Energiepreise künftig weniger Lohnerhöhungen fordern und eine Deflationsspirale in Gang setzen, fasste Experte Weil die Befürchtung von EZB-Vertretern zusammen.

Schon bei der März-Sitzung der Notenbank in der kommenden Woche rechnen viele Experten mit einem weiteren Öffnen der Geldschleusen im Kampf gegen die schwache Inflation.

Am Devisenmarkt reagierte der Euro Börsen-Chart zeigen mit Kursverlusten und fiel knapp unter die Marke von 1,09 US-Dollar.

Börse: Euro fällt, Dax begrenzt Verluste

la/dpa/reuters

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