Dienstag, 11. Dezember 2018

Windstrom-Rekord Spanien blamiert Deutschland bei der Energiewende

Windräder in Sachsen: Deutschland zaudert bei der Energiewende

Deutschland geriert sich als Vorreiter in Sachen Energiewende, doch andere Länder sind viel weiter. In Spanien ist Windkraft jetzt die wichtigste Quelle für die Stromerzeugung - ohne nennenswerte Blackouts. Das zeigt: Auch hierzulande wäre viel mehr Tempo möglich.

Hamburg - Das Wetter hat es gut gemeint mit Spanien im vergangenen Jahr: Es gab viel Regen und viel Sturm. Urlauber mögen darüber geklagt haben, die Betreiber von Wind- und Wasserkraftwerken jubelten. Ihre Anlagen liefen zu neuen Höchstleistungen auf.

Auf mehr als 42 Prozent wuchs der Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien in Spanien 2013. Die Windenergie wurde mit 21 Prozent zum ersten Mal wichtigste Energiequelle in der Stromerzeugung. Der Ausstoß von Kohlendioxid sank binnen Jahresfrist um satte 23 Prozent.

Die Botschaft gen Mitteleuropa ist klar: Deutschland ist keinesfalls alleiniger Vorreiter in Sachen Energiewende. Und hierzulande, wo Windenergie bisher gerade 8 Prozent des Strombedarfs deckt, werden auch nicht notwendigerweise die Lichter ausgehen, wenn die erneuerbaren Energien zügig weiter ausgebaut werden.

Sicher, Spanien hat so seine Eigenheiten. Zuerst provozierte die sozialistische Regierung mit üppigen Subventionen einen raschen Zubau von Wind- und Solaranlagen. Den konservativen Nachfolgern war das in der Wirtschaftskrise zu teuer, sie kürzten die Vergütung zum Teil rückwirkend.

Versorger wie Iberdrola verfluchen deshalb heute ihr Windkraft-Engagement, ebenso geht es Erbauern von Solarparks, finanziert zum Teil mit dem Geld deutscher Privatinvestoren. Doch die Anlagen sind nun einmal da.

Zudem leben in Spanien weniger Menschen auf größerem Raum. Es gibt weniger Ärger beim Bau von Windparks und Netzen, auch liegen die Rotoren näher an den großen Städten als in Deutschland. Dort konzentrieren sich die wirtschaftlichen Ballungszentren im Westen und im Süden, die Windenergie ist dagegen vor allem in Nord- und Ostdeutschland vertreten.

Trotzdem sind die meisten Fachleute einig, dass ein weiterer deutlicher Zubau möglich ist. Dabei müssen gar nicht große Mengen zusätzlicher Windräder die Landschaft verspargeln. Es würde genügen, alte Rotoren durch leistungsstärkere und beständigere Anlagen zu ersetzen.

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