Montag, 11. Dezember 2017

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Deutschland droht massive Altersarmut Wie Euro, EZB und Politik Deutschland ruinieren

Unser Einkommen mag vielleicht - begünstigt von tiefen Zinsen und schwachem Euro - zurzeit hoch sein. Unser Vermögen ist es jedoch nicht. Die Ersparnisse vieler Deutscher werden nicht reichen für den Lebensabend.

3. Teil: Anschreiben ohne je zu bezahlen

Man muss sich das so vorstellen: Jeden Abend kommen Gäste in die Kneipe und schreiben Bier und Korn beim Wirt an. Der Wirt reicht die Forderungen gegen seine Gäste bei der Bank ein und bekommt dafür Geld. Zahlen die Gäste später nicht, so ist es nicht mehr das Problem des Wirtes, sondern der Bank, die die Forderungen angekauft hat. Im Target2-System sind die Exportindustrie und die Banken, denen die Fluchtgelder aus den Krisenländern zufließen, die Wirte. Die Bank, bei der die Forderung über Umwege landet, ist die Bundesbank, die innerhalb des Eurosystems die Kredite gewähren muss. Es gibt gar keine rechtliche Möglichkeit, dies zu verhindern. Zins- und tilgungsfrei gewährt so die Bank, deren Eigentümer wir alle sind, Kredit an schwache Schuldner, ohne Sicherheit und ohne Aussicht, jemals wieder das Geld zurückzubekommen. Dem Wirt mag das egal sein. Uns Steuerzahlern sollte es nicht egal sein, vor allem weil wir die Verluste just dann realisieren werden, wenn wir unsere Ersparnisse bräuchten, um einen sorglosen Ruhestand zu genießen. "Altersarmut für alle" lautet das Programm der EZB in ihrem verzweifelten und letztlich aussichtslosen Versuch, den Euro zu "retten". Sie kauft Zeit zulasten des deutschen Sparers.

Politik versteht nicht den Unterschied zwischen Bestands- und Flussgrößen

Wäre das nicht alles schon schlimm genug, haben wir es auch noch mit einer Politik in Deutschland zu tun, die die grundlegenden ökonomischen Dinge nicht versteht und nicht verstehen wird. Das beginnt mit der eigentlich einfachen Unterscheidung zwischen Einkommen (= Flussgröße) und Vermögen (= Bestandsgröße). Obwohl sämtliche Studien zeigen, dass die deutschen privaten Haushalte zu den ärmsten in der Eurozone gehören - weit hinter Portugal, Spanien, Italien und ganz zu schweigen von Frankreich -, sind unsere Politiker übereifrig dabei, uns zu den Rettern Europas zu erklären, die mit ihren Steuern den anderen aus der Patsche helfen. Dabei wären beispielsweise die Probleme des italienischen Staates problemlos über die Besteuerung der erheblichen Privatvermögen zu lösen. Doch weshalb sollte das eine italienische Regierung tun, gibt es doch die Möglichkeit, die Deutschen zur Kasse zu bitten.

Unser Einkommen mag vielleicht - begünstigt von tiefen Zinsen und schwachem Euro - zurzeit hoch sein. Unser Vermögen ist es jedoch nicht. Die Ursachen dafür sind vielfältig: zwei verlorene Kriege, die Kosten der Wiedervereinigung, die geringe Eigentumsquote an Immobilien und nicht zuletzt, die völlig verfehlte Politik, die Sparen in Form von Lebensversicherungen und staatlicher Rente propagiert hat.

Liebe Politiker: ein hohes Einkommen bedeutet nicht, dass man "reich" ist.

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