Mittwoch, 28. September 2016

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IT-Spionage mit Hilfe künstlicher Intelligenz Wie die NSA bald unsere Gedanken liest

Lauschangriff: Das Internet der Dinge gibt den Geheimdiensten ganz neue Möglichkeiten - wenn die Nutzer der Informationsgesellschaft nicht nachrüsten, wird das Thema Datensicherheit untergehen

Dieter Kempf, Präsident des IT-Branchenverbands Bitkom, trommelte zum Auftakt der Computermesse Cebit für seine Branche: "Alles, was digitalisiert werden kann, wird auch digitalisiert", sagte Kempf und erinnerte mit dieser Aussage an die Allmachtsphantasien der IT-Fürsten aus dem Silicon Valley. Mit dem Begriff "Sicherheit" ist Kempf bei dieser Gelegenheit ebenso wenig aufgefallen wie Zuckerberg, Page & Co.

Nach dem jüngsten Hacker-Skandal beim Handykarten-Anbieter Gemalto wird aber deutlich: Sollten wir die Digitalisierung nicht beherrschen, werden die Themen Sicherheit und Datenschutz in der Datenflut untergehen - und technisch hochgerüstete Geheimdienste wie die NSA werden mit Hilfe künstlicher Intelligenz und des gepriesenen "Internet der Dinge" bald in der Lage sein, nicht nur unsere Gespräche, Handlungen und Bewegungen zu überwachen - sondern sogar in unsere Köpfe zu schauen und unsere Handlungen vorherzusagen. Ein Horrorszenario? Keineswegs.

Bereits im Jahr 1989 berichtete der SPIEGEL, dass US-Geheimdienste "jeden Piepser" in Deutschland abhören könne. Und auch dass Industrieunternehmen durch Wirtschaftsspionage enormen Schaden erleiden, ist nicht neu: Der Windanlagenbauer Enercon zum Beispiel will 1994 einen Schaden in Höhe von 100 Millionen Mark erlitten haben. In Großbritannien ist Wirtschaftsspionage sogar gesetzlich verankert. Auch das haben wir in Deutschland akzeptiert und damit unsere Verbündeten und Freunde beflügelt, noch größere Ziele in Angriff zu nehmen: Mit dem Programm AQUAINT ("Advanced QUestion Answering for INTelligence" - "fortgeschrittene Fragen und Antworten für Geheimdienste") sollen unsere Handlungen und Gedanken praktisch von den Geheimdiensten vorhersagt werden.

"Alles sammeln, was wir sammeln können"

Dazu sind viele Daten nötig: Vor zwei Jahren hat Ira Hunt, damals Chief Technology Officer der CIA, erklärt: "Mehr ist immer besser […] da man Punkte nicht verknüpfen kann, die man nicht hat, versuchen wir grundsätzlich alles zu sammeln, was wir sammeln können und behalten es für immer."

Am 9. Juni 2013 entpuppte sich Edward Snowden als Quelle für den Geheimdienstskandal. Einen Tag später prahlte Hunt damit, dass die Dienste in der Lage seien, nahezu "jede von Menschen generierte Information zu verarbeiten". Dazu gehört auch die Sprache: Am 19. Februar 2015 berichtete das Internetmagazin The Intercept, dass NSA und GCHQ dem Niederländischen Unternehmen Gemalto die Codes zur Verschlüsselung von Handy-SIM-Karten gestohlen hätten. Wer solche Codes hat, kann dem Telefonierenden zuhören. Wer solche Codes hat, kann dem Telefonierenden zuhören.

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