Dienstag, 25. September 2018

Was Manager von Helmut Schmidt lernen können Bleiben Sie arrogant!

Helmut Schmidt: Hinter seiner vielgescholtenen Arroganz verbarg sich vor allem eines - Führungsstärke in unsicheren Situationen

"Wer Visionen hat, der sollte zum Arzt gehen." Dieses Zitat von Helmut Schmidt scheint nicht mehr in eine Zeit zu passen, die durch Veränderungen und Innovationen getrieben ist. Hat Helmut Schmidt als Rollenbild für das moderne Management ausgedient? Weit gefehlt!

Helmut Schmidt hatte das Gen großer Visionäre in sich - auch wenn er sich das wahrscheinlich selbst niemals eingestanden hätte. Seine Fähigkeit, im Kopf komplexe Lösungen zu entwickeln und konsequent umzusetzen, ist gerade in einer Wirtschaft, die von zunehmender Komplexität getrieben wird, zeitgemäß wie nie.

Und hinter seiner vielgescholtenen Arroganz verbarg sich vor allem eines: Führungsstärke in unsicheren Situationen. Was hinterlässt Helmut Schmidt dem modernen Management? Drei Lektionen.

Schmidt-Lektion 1: Keine Angst vor Komplexität

Microsoft ist für seine überraschenden Fragen im Einstellungsgespräch bekannt. Ein Bewerber erhält plötzlich die Aufgabe, innerhalb von 20 Minuten einen Evakuierungsplan für New York City zu entwickeln. Dabei geht es nicht darum, unbedingt die eine, richtige Lösung zu entwickeln. Das Unternehmen will sehen, inwieweit Bewerber - vor allem Führungskräfte - in der Lage sind, situative Entscheidungen in sich verändernden, komplexen Systemen zu treffen.

Jens-Uwe Meyer
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    Dr. Jens-Uwe Meyer ist Geschäftsführer der Innolytics GmbH. Mit neun Büchern (u.a. "Radikale Innovation", "Digitale Disruption") und mehr als 100 Fachartikeln ist er einer der engagiertesten Innovationsvordenker im deutschsprachigen Raum. Er berät mittelständische Unternehmen und Konzerne.
    www.jens-uwe-meyer.de
Welche Ressourcen habe ich zur Verfügung? Was passiert, wenn sich die Umstände ändern? Wie gehe ich mit einer plötzlichen Massenpanik um? Welche Rolle spielen die Medien?

Helmut Schmidt hätte mit der Beantwortung dieser Frage wahrscheinlich wenig Probleme gehabt. Die Situation der Flutkatastrophe 1962 lässt sich gut mit der zunehmenden Komplexität der Märkte von heute vergleichen. Dinge verändern sich schnell, einmal getroffene Entscheidungen müssen möglicherweise revidiert werden. Was können wir von Helmut Schmidt lernen?

Zunächst einmal: Kühlen Kopf bewahren und eine Zigarette rauchen. Anschließend neue Lösungen entwickeln, im Kopf durchspielen und dabei das große Ganze im Auge behalten. Nicht auf Regularien und bewährte Entscheidungsmuster zurückziehen, sondern situativ und pragmatisch entscheiden.

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