Montag, 23. Januar 2017

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Zweimal abwiegeln, einmal mahnen Was die Bundesbank nervös macht

Claudia Buch, seit 2014 Vizepräsidentin der Deutschen Bundesbank: Sorge um bestimmte Aspekte der wirtschaftlichen Entwicklung

Der "Finanzstabilitätsberichts 2016" der Bundesbank liegt frisch auf dem Tisch. In etlichen Teilen eine beruhigende Lektüre. Aber eben nur in guten Teilen.

Immobilienblase? Nein

Gefährliche Übertreibungen am deutschen Immobilienmarkt sieht das Institut trotz teils kräftig gestiegener Preise noch nicht. "Obwohl die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland seit dem Jahr 2010 deutlich steigen, gibt es aktuell keine Anzeichen für eine exzessive Kreditvergabe oder eine Abschwächung der Kreditvergabestandards", erklärte die Vizepräsidentin der Notenbank, Claudia Buch. Die Finanzbranche vergebe Kredite nach wir vor mit Augenmaß.

Allerdings verlockten die niedrigen Zinsen andererseits zum Schuldenmachen. Käufer müssten sich darüber im Klaren sein, dass dann, wenn die Zinsen wieder steigen, die Preise und Bewertungen an den Märkten zurückgehen würden: "Finanzierungen, die unter den aktuellen Rahmenbedingungen angemessen erscheinen, könnten sich dann als nicht nachhaltig herausstellen", warnte Buch.

Minzinsen als kurzfristige Gefahr für die Banken? Nein

Deutschlands Banken können die Folgen des Zinstiefs nach Einschätzung der Bundesbank mehrheitlich noch abfedern. "Die Solvenz und Liquidität der deutschen Banken und Sparkassen steht außer Frage", betonte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret.

Allerdings leide die Branche in Deutschland unter einer nachhaltigen Ertragsschwäche - auch infolge der extrem niedrigen Zinsen. Die Institute müssten nicht nur ihre Geschäftsmodelle auf den Prüfstand stellen, sondern auch über Fusionen, eine Ausdünnung des Filialnetzes und weitere Einsparungen nachdenken.

Alles in Ordnung? Nein

Die Bundesbank warnt wegen jener Minizinsen und einem eher flauen Wachstum vor Risiken für die Finanzstabilität. Je länger das niedrige Zinsniveau anhalte, desto stärker werde der Anteil geringverzinslicher Kapitalanlagen in den Bankbilanzen, teilte die Bundesbank am Mittwoch in ihrem jüngsten Bericht zur Finanzstabilität mit. "Im aktuellen makroökonomischen Umfeld besteht die Gefahr, dass Marktteilnehmer Risiken unterschätzen und nicht ausreichend berücksichtigen, dass die Vermögenspreise fallen und die Zinsen steigen können", sagte Buch. Sie sollten daher ausreichend hohe Risikopuffer aufbauen.

Mit Sorge sieht die Bundesbank, dass Geldhäuser in Deutschland, um ihre Erträge zu sichern, insbesondere Kredite mit längeren Laufzeiten vergeben. Der Bankensektor könne deshalb weniger flexibel auf Zinsänderungen reagieren.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält die Leitzinsen schon seit längerer Zeit sehr niedrig, um für günstige Finanzierungsbedingungen zu sorgen und der Wirtschaft so unter die Arme zu greifen. Seit März liegt der Leitzins auf dem Rekordtief von null Prozent.

got/dpa/reuters

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