Sonntag, 11. Dezember 2016

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Es geht um mehr als Volkswagen Rückschlag im globalen Wirtschaftskrieg

Volkswagen-Werk in Wolfsburg: Der Schaden des Betrugs geht weit über das Unternehmen hinaus
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Volkswagen-Werk in Wolfsburg: Der Schaden des Betrugs geht weit über das Unternehmen hinaus

Der Schaden den Volkswagen mit seinem großangelegten Betrug angerichtet hat, geht weit über das Unternehmen hinaus. Noch können wir hoffen, dass es sich bei VW um einen Einzelfall handelt. Fürchten müssen wir jedoch mehr. Dabei ist die Autoindustrie als Rückgrat der deutschen Wirtschaft ohnehin von einem Umbruch historischen Ausmaßes bedroht. Geändertes Konsumentenverhalten, neue Technologien und gänzlich neue Wettbewerber gefährden die deutsche Vorzeigebranche mehr, als diese und vor allem die breite Bevölkerung es wahrhaben will.

Ohnehin offenbart ein nüchterner Blick auf die Industriestruktur Deutschlands eine Abhängigkeit von Industrien, die es bereits zu Zeiten des letzten deutschen Kaisers gegeben hat: Automobil, Maschinen- und Anlagenbau, Elektrotechnik und Chemie als besonders prominente Beispiele. Branchen, in denen Deutschland ebenfalls eine Vorreiterrolle gespielt hat, werden mittlerweile von anderen Ländern beherrscht. Erinnert sei an Unterhaltungselektronik, Photographie und Pharma.

Industrien aus dem Kaiserreich

Der Computer wurde zwar in Berlin erfunden, beherrscht wird die Branche jedoch von Konzernen aus den USA, Japan und China. Neue Branchen entwickeln sich in Deutschland nur schwer und nur selten gelingt es hiesigen Unternehmen eine dauerhafte Position zu erreichen, wie SAP im Bereich der Unternehmenssoftware. Die Solarindustrie, mit Milliardensubventionen gepäppelt, wird mittlerweile von China dominiert, und den dauerhaften Erfolg muss die Umwelttechnologie noch beweisen.

Daniel Stelter
Wir waren sehr gut in der Verteidigung unserer Position in einigen Industrien und damit weitaus anpassungsfähiger und erfolgreicher als andere Länder.

In vielen Branchen, gerade auch in der Automobilindustrie, suchen deutsche Firmen die Zukunft in noch besserer Technologie und noch höherwertigen Produkten, streben also in das Premiumsegment. Dies hat in der Vergangenheit nicht selten nur für eine Übergangsphase funktioniert, weil das wegbrechende Massengeschäft zu überproportionalen Kostennachteilen geführt hat, und die Wettbewerber über Zeit nicht nur das Massengeschäft beherrschten, sondern auch bei den höherwertigen Produkte mithielten. Ich denke hier vor allem an die optische Industrie. Es mag sein, dass uns dieses Schicksal in den verbliebenen Schlüsselindustrien erspart bleibt - sicher ist das keineswegs.

Unabhängig davon macht diese Abhängigkeit von bestehenden und geringe Fähigkeit zur Entwicklung neuer Industrien anfällig für Schocks und Strukturbrüche, die von Skandalen wie dem von Volkswagen beschleunigt werden. Denn sie passieren in einem Umfeld, in dem die deutsche Wirtschaft weltweit mit zunehmendem Unbehagen und teils offener Feindseligkeit gesehen wird.

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