Dienstag, 27. Juni 2017

Strittiges Interview des Wahlverlierers Torsten Albig Verhängnisvolle Liebe im hohen Norden

Neue Liebe, neues Glück, großer Fettnapf: Schleswig-Holsteins (Noch-)Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und seine Lebensgefährtin und Unternehmerin Bärbel Boy wenige Tage vor der Wahl in Schleswig Holstein

Ein Ministerpräsident plaudert im Interview offen über seine neue Liebe - und die Ehefrau, die er für sie verlassen hat. Jetzt hat SPD-Regierungschef Torsten Albig die Wahl in Schleswig-Holstein verloren - und manche sehen da einen Zusammenhang.

Vor wenigen Wochen erst ging die Landtagswahl im Saarland verloren, am Sonntag dann die zweite Klatsche: wieder verlor die SPD kräftig, rutschte deutlich unter 30 Prozent, wurde mit Torsten Albig zudem erstmals seit 2005 ein SPD-Ministerpräsident abgewählt. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz ärgert das "höllisch", sagte er noch am Sonntagabend ohne Umschweife im Berliner Willy-Brandt-Haus.

Die Reaktion verwundert nicht. Denn die Niederlage des eigenwilligen und auch zur Selbstgefälligkeit neigenden Albig, wie Beobachter sagen, war in ihrer Höhe dann doch überraschend. Statt Rückenwind aus dem hohen Norden bläst den Wahlkämpfern in Nordrhein-Westfalen nun der Gegenwind ins Gesicht, muss NRW-Regierungschefin Hannelore Kraft (SPD) am kommenden Sonntag die Kohlen aus dem Feuer holen - auch für SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz.

Im Video: Die SPD leckt ihre Wunden

Verliert die SPD auch die Wahlen im bevölkerungsreichsten Bundesland, dürfte es für den Kanzlerkandidaten Schulz eng werden, sagen Politikexperten in Berlin. Und so ist die SPD-Führung wenig überraschend bemüht, Schaden von ihrem Parteichef abzuwenden. Der Sündenbock für eines der schlechtesten Wahlergebnisse der Nachkriegszeit der SPD in Schleswig-Holstein steht fest:

"Diese teilweise harte Erfahrung war total schön für die Beziehung"

Der Wahlkampf habe sich zuletzt "weniger auf die Inhalte als auf das Privatleben des SPD-Spitzenkandidaten" konzentriert, sagte SPD-Generalsekretärin Katarina Barley schon kurz nach Schließung der Wahllokale. Barley spielt damit auf ein Interview von Albig in der "Bunte" an. Darin verscherzte er sich Sympathien durch als abfällig empfundene Äußerungen über seine Noch-Ehefrau. Thomas Oppermann stößt ins gleiche Horn. "Offenkundig ist es Torsten Albig nicht gelungen, seinen Amtsbonus einzubringen", sagte der Fraktionschef im Bundestag.

Doch was hatte Albig eigentlich über seine Noch-Ehefrau gesagt, das vor allem ältere Wählerinnen vor den Kopf gestoßen haben könnte? Denn laut Analysen von Infratest Dimap verlor die SPD zum einen viele Wähler unter den 35- bis 60-Jährigen an die CDU. Zugleich konnte die CDU insbesondere bei Wählerinnen diesen Alters und den über 60-Jährigen zulegen - also genau dort, wo die SPD Wählerinnen verlor.

Tatsächlich ließ sich Albig in dem am 20. April veröffentlichten Doppel-Interview mit seiner neuen Lebensgefährtin zunächst über die Wirkungen des gemeinsamen Heilfastens aus. "Wir haben zehn Tage Heilfasten gemacht. Nur Brühe, verdünnte Säfte und Tee. Diese für Körper und Geist teilweise harte Erfahrung war total schön für die Beziehung", so der markante Glatzkopf zur "Bunte". Fünf Kilo habe er abgenommen, fühle sich für die heiße Phase des Wahlkampfs "gestärkt und rundum wohl - was natürlich auch an Bärbel liegt".

Gemeint ist Bärbel Boy, 48, Strategieberaterin. Im Januar 2016 zog Albig bei seiner Frau Gabriele (53) aus und ins Haus der alleinerziehenden Mutter und ihren drei Söhnen ein. Eine ganz normale deutsche Ehe-Geschichte also.

Ganz normal? Für viele wohl nur bis zu einer bestimmten Stelle des Interviews, wo Albig über das Verhältnis zu seiner Noch-Ehefrau spricht.

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