Dienstag, 24. Oktober 2017

Ex-Topmanager Thomas Sattelberger als FDP-Bundestagskandidat "Die Maske kalter Wirtschaftspolitik ablegen"

Die Rückkehr der FDP: Diese Liberalen könnten bald mitregieren
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3. Teil: "Opposition ist nicht schlecht"

mm.de: Da die FDP keine bekannte wirtschaftspolitische Kraft mehr ist, macht sie manchen auch Angst, zum Beispiel wegen der kritischen Haltung zu EZB und Euro-Rettung. Kürzlich warnte die Citigroup, eine FDP-Regierungsbeteiligung würde die Erholung Europas gefährden und könnte zum Börsenschreck werden.

Sattelberger: Ich halte das für daneben und aus amerikanischer Interessenlage heraus formuliert. Ich würde auch noch nicht von der Erholung Europas sprechen. Ich habe in meinem Berufsleben einige große Unternehmenskrisen miterlebt, und in allen Fällen mit Ausnahme von Conti hat man zu früh gejubelt. Der Markt wird nach wie vor überschwemmt mit billigem Geld. Das Wachstum in einigen Ländern ist noch zu schwach. Die Marktreformen in Frankreich haben noch nicht begonnen.

mm.de: Wie sehen Sie selbst überhaupt die Perspektive einer FDP-Regierungsbeteiligung? Sie waren ja vier Jahre lang nicht im Bundestag, fast zwei Jahre davon auch ohne jedes Regierungsamt in den Ländern, kommen jetzt aber in kurzer Zeit zurück. Haben Sie dafür überhaupt das Personal?

Sattelberger: Diese Frage kann unsere Parteispitze besser beantworten. Persönlich meine ich, dass Opposition ertüchtigt, wenn man zwar nicht wie ein Phoenix aus der Asche steigt, aber sich doch rasch wiederholt und erstmal neu aufstellen muss. Anders als etwa die SPD, die sich gar nichts anderes vorstellen kann, als immer nur dabei zu sein.

Was das Führungspersonal angeht, können Sie davon ausgehen, dass ich als alter Personalchef intensiv die Menschen anschaue, die ich an der Basis wie an der Spitze kennenlerne. Exzellente Leute wie Andreas Pinkwart oder Bernd Buchholz werden jetzt in den Landesregierungen gebraucht. Ich habe zwar noch ein begrenztes Sichtfeld auf die bundesweite Talentpipeline in der FDP. Aber ich sehe deutlich mehr als ein Dutzend tolle Frauen wie Männer, die hochkompetent Politik machen.

mm.de: … also auch als Bundesminister infrage kämen?

Sattelberger: Wenn sie sich einer Verantwortung nicht entziehen kann, dann hat diese Partei genügend Ministrable, natürlich. Aber nochmal: Opposition ist nicht schlecht. Ich persönlich stelle mich auf acht Jahre in der Politik ein. Heißt: Ich will mein Bundestagsmandat jetzt erringen und in vier Jahren erfolgreich verteidigen.

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