Freitag, 15. Dezember 2017

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Bedingungsloses Grundeinkommen Telekom-Chef Höttges entdeckt seine soziale Ader

Telekom-Chef Timotheus Hoettges

Wenige Tage vor Beginn der Sondierungsgespräche von Union, Grünen und FDP fordern Chefs großer Unternehmen eine bessere soziale Absicherung der Deutschen. So macht sich nun auch Telekom-Chef Timotheus Höttges für ein bedingungsloses Grundeinkommen stark.

Nachdem sich Siemens-Chef Joe Kaeser kürzlich für eine "Grundversorgung für das Alter" in Deutschland stark gemacht hatte , äußerte sich jetzt auch Telekom-Chef Timotheus Höttges ähnlich im "Tagesspiegel" (Montag). Die Digitalisierung werde die Unternehmens- und Arbeitswelt enorm verändern. "Deshalb brauchen wir eine Diskussion, wie wir die Sozialsysteme auf die Herausforderungen der Digitalisierung einstellen".

Es müsse jetzt über Instrumente wie "das bedingungslose Grundeinkommen und als Teilvariante davon die Grundversorgung im Alter" gesprochen werden, sagte Höttges. Er will dies nach Angaben der Zeitung in eine gesamte Reform der Sozialsysteme einbetten.

Siemens-Chef Kaeser hatte die Debatte um das Grundeinkommen in einem "Spiegel"-Interview forciert. Darin plädierte er für eine Grundsicherung im Alter, damit Menschen, die trotz bester Bemühungen nicht mithalten könnten, womöglich nicht leichte Beute für nationalistische und populistische Strömungen und Parteien werden.

Beim Grundeinkommen würden andere staatliche Leistungen wie Arbeitslosen- und Kindergeld wegfallen. Das Grundeinkommen würde unabhängig von anderweitigen Einkünften des Begünstigten gezahlt. Laut Höttges könnte dieses Modell den Menschen aus seiner Rolle des Bittstellers erlösen, die er in den heutigen Systemen einnehmen müsse.

Auch Götz Werner, Gründer und Aufsichtsrat der Drogeriekette dm, wirbt schon länger für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Jeder habe das Recht auf ein bescheidenes, aber menschenwürdiges Leben. "Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde diesem Artikel unserer Verfassung endlich Gültigkeit verleihen", sagte er der gleichen Zeitung. Zum Thema Vorsorge im Alter meinte er: "Es kann nicht sein, dass eine Rentnerin, die drei Kinder groß gezogen hat und dann den Ehemann gepflegt hat, bis er starb, heute nicht von ihrer Rente leben kann. Altersarmut ist grober Undank."

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Die Mehrheit der Deutschen sei für solche Überlegungen, schreibt die Zeitung. Die Jamaika-Koalition in Schleswig-Holstein plant, das bedingungslose Grundeinkommen zu testen. In einer Jamaika-Koalition im Bund dürfte die Idee aber kaum durchzusetzen sein. Kanzlerin Angela Merkel (CDU), FDP-Chef Christian Lindner und die Spitzenkandidaten der Grünen, Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckhardt, seien dagegen. Wie das finanziert werden soll, ist offen.

rei/dpa-afx

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