Dienstag, 27. Juni 2017

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Sparsamer Staat - von wegen! 110.000 neue Staatsdiener gefordert

Abgearbeitet: Der Staat hat jahrelang gespart - nun seien neue Staatsbedienstete unabdingbar, heißt es in einer Studie

Der Staat muss einer Analyse der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zufolge massiv Personal einstellen, um seine Aufgaben angemessen zu erfüllen. In den kommenden Jahren benötige der öffentliche Dienst zusätzlich zur Neubesetzung von Stellen aus Altersgründen mindestens 110.000 neue Fachkräfte, wie aus der am Mittwoch vorgestellten Untersuchung des stiftungseigenen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung hervorgeht. Besonders groß sei der Personalbedarf etwa bei Polizei und Kinderbetreuung.

Auch in der Finanzverwaltung sowie an Schulen und Hochschulen müssen der in Düsseldorf vorgestellten Studie des Finanzexperten Dieter Vesper zufolge Lücken geschlossen werden. Dieser verwies darin auf einen seit vielen Jahren anhaltenden "restriktiven Kurs" der deutschen Haushaltspolitik, der für ein Sinken der Zahl der sogenannten Vollzeitäquivalente im öffentlichen Dienst von 2002 bis 2008 um 8,5 Prozent verantwortlich sei.

Auch wenn das Personal seither jährlich wieder leicht aufgestockt worden sei, seien die Folgen dieser "Schrumpfkur längst noch nicht überwunden". Die Finanzierung wäre Vesper zufolge machbar. "Das sollte für die Politik in jedem Fall ein lösbares Problem sein", erklärte er. Dies gelte erst recht angesichts aktuellen Etatüberschüsse.

Der Experte bezifferte die Kosten für die Erweiterung des öffentlichen Dienst um jeweils 20.000 Vollzeitstellen pro Jahr über einen Zeitraum von sechs Jahren auf zunächst eine Milliarde Euro pro Jahr. Nach sechs Jahren seien es dann sechs Milliarden Euro pro Jahr.

got/afp

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