Donnerstag, 19. Juli 2018

Abgang zweier Steuerfahnder "No-Tax-Areas für Besserverdiener"

EX-NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD): "Da werden ein paar Champagnerkorken knallen"

Zwei Spitzenkräfte der Steuerfahndung wechseln die Seite - hat Schwarz-Gelb sie vergrault? Die SPD in NRW spricht von Schikane gegen die Beamten und "No-Tax-Areas" für Besserverdiener.

Der Abgang bundesweit renommierter Steuerfahnder in Wuppertal sorgt für Spekulationen. Zwei Spitzenkräfte aus dem Wuppertaler Finanzamt, Sandra Höfer-Grosjean (45) und Volker Radermacher (49), wechseln die Seiten und steigen bei der Großkanzlei Deloitte ein, wie die Kanzlei am Freitag in München bestätigte. Zuvor hatte das "Handelsblatt" berichtet. Der Abgang nährt Spekulationen, die schwarz-gelbe Landesregierung könnte die von Wuppertal ausgehende intensive Verfolgung von Steuerhinterziehern beenden.

Der SPD-Landesvorsitzende in Nordrhein-Westfalen, Michael Groschek, wirft der schwarz-gelben Landesregierung vor, die Arbeit der Steuerfahnder mit "unnötigen Schikanen" zu behindern. So würden Ministerpräsident Armin Laschet und sein Finanzminister Lutz Lienenkämper (beide CDU) "No-Tax-Areas für Besserverdienende" schaffen. Groschek forderte die Landesregierung dazu auf, Steuerflucht mit dem nötigen Ernst anzugehen.

Die Wuppertaler Steuerfahndung ist bundesweit bekannt und hat dem Staat in den vergangenen Jahren Milliarden an Mehreinnahmen beschert. Die Behörde war unter anderem mit dem spektakulären Ankauf von Steuerdaten-CDs immer wieder in den Schlagzeilen.

Nachdem Behördenchef Peter Beckhoff in Pension gegangen war, war Höfer-Grosjean von NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) als komissarische Leiterin installiert worden. Radermacher wurde ihr Stellvertreter. Den Chef-Posten bekam nach der Landtagswahl aber Michael Schneiderwind vom Finanzamt Aachen-Stadt.

"So fährt man sehenden Auges eine bestens aufgestellte Steuerfahndung vor die Wand", twitterte Ex-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD). "Da werden ein paar Champagner-Korken knallen!".

la/dpa

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