Montag, 17. Dezember 2018

Steigende Preise Das Menetekel der Inflation

Die Inflation ist zurück

Viele Jahre war Inflation kein Thema. Doch jetzt ist die Angst vor steigenden Preisen zurück. Die Finanzmärkte reagieren nervös. Stehen wir am Beginn einer Trendwende?

Früher waren Notenbanken nicht gerade zimperlich. Wenn ein Aufschwung ordentlich Schwung bekam, traten sie auf die Bremse - und zwar mit aller Kraft. Die Deutsche Bundesbank beispielsweise erhöhte den Leitzins ab Herbst 1972 binnen einem Dreivierteljahr von drei auf sieben Prozent. Einen Stunt, den sie Ende der Siebzigerjahre und Anfang der Neunzigerjahre so ähnlich wiederholte.

Auch die US-amerikanische Federal Reserve war zu durchaus rabiaten Schritten bereit. Ab Sommer 1979 hob sie den Leitzins in raschen Schritten an, in der Spitze auf 19 Prozent. Selbst der frühere Fed-Chef Alan Greenspan, eher ein Geldpolitiker der softeren Sorte, schleuste zur Jahrtausendwende den Leitzins noch um zwei Prozentpunkte binnen einem Jahr nach oben, auf immerhin 6,5 Prozent.

Der Kontrast zu heute könnte kaum größer sein. Die Weltwirtschaft befindet sich nach Einschätzung der Konjunkturforscher in der Spätphase eines Aufschwungs, eben an jenem Punkt des Zyklus, an dem früher Notenbanker häufig energisch auf die Bremse traten. Aber bislang ist davon nicht viel zu sehen.

Die Zinsen sind am Boden, und da werden sie nach gängigen Erwartungen auch bleiben: um null Prozent in der Eurozone und in Japan; selbst in den USA und in Großbritannien steigen die Zinsen seit Jahren nur in Trippelschritten. Besonders befremdlich: Abzüglich der Inflation sind die Kapitalmarktzinsen im internationalen Durchschnitt sogar negativ. Das gab es zuvor nur in Folge der beiden Weltkriege.

Wird es eigentlich immer nur so weitergehen? Oder steht womöglich ein abrupter Zinsanstieg bevor? Fragen, die beim Herbsttreffen von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank ab Donnerstag eine Rolle spielen werden. Denn inzwischen werden die Finanzmärkte nervös: Die Sorge vor steigender Inflationund höheren Notenbankzinsen hat in der abgelaufenen Woche einen Ausverkauf an den Märkten für Anleihen ausgelöst. Möglich, dass dies eine Trendwende markiert - und dass denjenigen, die auf dauerhaft niedrige Zinsen gewettet und sich hoch verschuldet haben, ein unangenehmes Rendezvous mit der Realität bevorsteht.

Wann schreiten die Notenbanken ein?

Früher begannen Phasen hoher Zinsen mit steigenden Inflationsraten. Gegen Ende eines Konjunkturzyklus wurden die Produktionskapazitäten knapp. Unternehmen suchten händeringend Arbeitskräfte, die Löhne legten zu. Steigende Kosten und hohe Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen trieben die Preise - bis die Notenbanken einschritten und die Zinsen nach oben schraubten.

So war es in den Siebzigerjahren und nach der deutschen Wiedervereinigung, als die Bundesbank, wie eingangs erwähnt, rasch die Zinsen anhob. So war es auch noch während des Booms rund um die Jahrtausendwende.

Aber spätestens seit der Finanzkrise gab es kaum noch Bewegung bei Löhnen und Preisen. Die Welt schien in einer neuen Ära angekommen, wo Überkapazitäten die Inflationsraten niedrig hielten, wo schwache Gewerkschaften und intensiver globaler Wettbewerb die Spielräume für Lohnerhöhungen begrenzten. Es ging sogar die Angst vor Deflation um: ein Szenario, bei dem das Preisniveau sinkt und die Wirtschaftsleistung schrumpft.

Entsprechend hielten die Notenbanken die Zinsen extrem niedrig, kauften sogar für Billionen von Dollar, Euro, Yen und Pfund Wertpapiere auf. Und einige tun das bis heute, darunter die Europäische Zentralbank (EZB), deren Aufkaufprogramm erst zum Jahresende auslaufen soll.

Doch jetzt gibt es diverse Anzeichen, dass der Inflationsdruck steigt.

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