Samstag, 21. April 2018

Junge Union sucht neuen Chef Wirtschaftsprüfer PwC hilft Nachwuchs-Star der CDU nach Kräften

Junge CDU-Anhänger applaudieren in der Parteizentrale in Berlin nach den Hochrechnungen zur Europawahl.

Der Nachwuchs der CDU sucht einen neuen Anführer. Deutschlands größter Wirtschaftsprüfer zieht im Hintergrund mit an den Strippen.

Hamburg - Wenn es nach der Papierform geht, dann darf der Jurastudent Paul Ziemiak (28) damit rechnen, in ein oder zwei Jahrzehnten in der CDU ganz oben mitzumischen. Der Jung-Unionist sitzt im Rat seines Studienortes Iserlohn, ist Chef der Jungen Union in Nordrhein-Westfalen, dem größten Landesverband, und tritt Mitte September für den Bundesvorsitz der Nachwuchsorganisation der Christdemokraten an.

Ziemiaks Problem: Er ist nur einer von zwei Kandidaten. Und sein Gegner, Benedict Pöttering (31), gehört qua Familie zum Parteiestablishment. Vater Hans-Gert Pöttering (68) war Präsident des Europa-Parlaments und leitet seit Jahren die Konrad-Adenauer-Stiftung. Seinen Posten als Bundesvize der Jungen Union hat Benedict von seinem Bruder Johannes geerbt.

Diese Konstellation ist schon per se delikat - eine Kampfkandidatur gehört sich bei der Jungen Union eigentlich nicht. Nachgerade feurig wird sie aber durch den Helfer, der Ziemiak gegen Pöttering nach Kräften unterstützt: PricewaterhousCoopers (PwC), Deutschlands größte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.

Ziemiak und seine beiden engsten Waffenbrüder Younes Ouaquasse (25) und Thomas Dautzenberg (38) nämlich stehen sämtlich auf der Payroll von PwC. Ziemiak selbst und Ouaquasse, früher Bundesvorsitzender der Schüler Union und heute Mitglied des CDU-Bundesvorstands, als Werkstudenten. Dautzenberg, bis 2010 Geschäftsführer der Jungen Union, als Festangestellter.

PwC sieht Parteiambitionen des Trios als Privatsache

PwC Deutschland hat mit den Parteiambitionen des Trios kein Problem und begrüßt prinzipiell das politische Engagement seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Firma sieht derlei Tätigkeiten als Teil des Privatlebens und unabhängig von ihrer Tätigkeit für das Unternehmen.

Die politische Nachwuchsförderung organisiert der Düsseldorfer PwC-Partner Sven Joachim Otto (44), zu dessen Team das Trio gehört und der selbst einst als CDU-Hoffnungsträger galt. 1999 war er in der SPD-Hochburg Mannheim als Bürgermeisterkandidat angetreten, hatte aber gegen den langjährigen Amtsinhaber Gerhard Widder denkbar knapp verloren. Als er seine Gegenspieler später unter dem Decknamen "Froschkönig" in Internetforen anpöbelte und sich dabei erwischen ließ, war es mit der politischen Karriere allerdings vorbei.

Auch wenn Otto heute nur noch als Rechtsanwalt in Erscheinung tritt, soviel Politiker steckt immer noch in ihm, dass er weiß, wie segensreich sich frühzeitig geknüpfte Verbindungen geschäftlich auswirken können - für PwC und natürlich auch für ihn selbst.

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