Freitag, 24. November 2017

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Warum es in der Wirtschaft klemmt Vier Erklärungsversuche für die Trägheit der Weltwirtschaft

Faultier Julius im Tamandua-Haus des Zoos in Dortmund

Der weltweite Aufschwung steht auf schwachem Fundament, weil die Unternehmen zu wenig investieren. Die große Frage lautet: warum? Die Antworten darauf werden den Kurs der kommenden Jahre prägen.

Stellen Sie sich vor, Sie sind im Auto unterwegs und treten entschlossen das Gaspedal durch. Die Geschwindigkeit nimmt zu, der Motor heult auf, aber das Getriebe schaltet nicht in den nächst höheren Gang. Irgendetwas klemmt. Und Sie ahnen, dass die Maschine irgendwann kaputt ist, wenn Sie so weiterfahren.

So ungefähr stellt sich die weltwirtschaftliche Situation derzeit dar. Seit Jahren geben sich die Notenbanken alle Mühe, das Wachstum zu beschleunigen. Durchaus mit einigem Erfolg: Ein breiter globaler Aufschwung ist in Gang gekommen. Die USA, die Eurozone, China, Japan, selbst Länder wie Russland und Brasilien, die zuletzt tiefe Krisen durchlitten haben - überall legt das Sozialprodukt wieder zu. Um 3,5 Prozent soll nach gängigen Prognosen die Weltwirtschaft dieses Jahr wachsen. Und nächstes Jahr dürfte es noch etwas mehr sein.

Aber irgendetwas klemmt. Die Weltwirtschaft schaltet nicht in den nächst höheren Gang: Das produktive Potenzial bleibt vom Aufschwung kaum berührt. Die Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück. Die Produktivität lahmt.

Wie lange kann das gutgehen? Was muss jetzt geschehen?

Es sind diese Fragen, die die Elite der globalen Notenbanker bei ihrem diesjährigen Treffen im US-Ferienresort Jackson Hole beschäftigen. Von Donnerstag bis Samstag werden sie darüber debattieren, was sie zur "Unterstützung einer dynamischen Weltwirtschaft" (Tagungstitel) tun können. Janet Yellen, die Chefin der amerikanischen Federal Reserve Bank, wird sprechen, ebenso EZB-Präsident Mario Draghi. Die Finanzmärkte werden genau hinhören, welche Botschaften die beiden senden.

Getan haben die Fed, die EZB und viele andere Notenbanken wahrlich eine Menge. Seit 2007, dem Jahr, als die Finanzkrise begann, haben sie Wertpapiere im Wert von rund 16 Billionen Dollar aufgekauft. Die Leitzinsen haben sie gegen Null gedrückt, in einigen Ländern (insbesondere in der Eurozone und in Japan) sogar darunter. Damit haben sie einen Absturz der Weltwirtschaft ins Bodenlose verhindert.

Das entschlossene Durchtreten des Gaspedals hat aber vor allem den Kapitalmärkten eingeheizt: Anleihen, Aktien und Immobilien sind enorm im Wert gestiegen. Aber in der realen Wirtschaft - jenseits der Baubranche, die vielerorts boomt - ist von dem vielen billigen Geld wenig angekommen.

Eine wirklich "dynamische Weltwirtschaft" stellt man sich anders vor.

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