Montag, 11. Dezember 2017

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Neues CSU-Tandem - geht das gut? Der Seehofer-Shrek

Markus Söder: Der Seehofer-Shrek
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DPA

Markus Söder unterläuft kurz nach seiner Kür durch die Landtagsfraktion ein Versprecher, der vielsagender nicht sein könnte. "Es war ein sehr guter Tag des Vertrauens gegeneinander", sagt Söder, um dann nach einem kurzen Stutzen "und miteinander" nachzuschieben. Nun neigt der ärgste parteiinterne Widersacher Seehofers bekanntlich zu komischen Einlagen. Doch das Gegeneinander ist real und lässt sich aus der CSU nicht so schnell entfernen - auch wenn am Montag von allen Seiten Harmonie beschworen wird.

Söder als Ministerpräsident in Bayern, Horst Seehofer als CSU-Chef in Berlin: Wer diese Konstellation vor einem Jahr als das neue bayerische Modell skizziert hätte, hätte nichts anderes als Kopfschütteln geerntet.

So ist es nur etwas mehr als ein Jahr her, dass etwa Seehofer zwar seine Bereitschaft erklärte, den CSU-Vorsitz abzugeben - aber nicht das Ministerpräsidentenamt. "Dann müsste schon der Himmel über Bayern zusammenbrechen", sagte Seehofer im Oktober 2016 zu einem Abgang vor dem Ende der Legislaturperiode.

Ein Wechsel in Eintracht sieht anders aus

Nun bricht auch an diesem ersten Montag im Dezember nicht der Himmel über Bayern zusammen. Aber ein Wechsel in Eintracht sieht doch anders aus als das, was die Christsozialen in den vergangenen Wochen auf den Weg brachten.

Zuerst die Bundestagswahl mit dem historischen Abrutschen der CSU unter die 40-Prozent-Marke, danach der von Söder und seinen Gefolgsleuten befeuerte Machtkampf. Und schließlich die kurzzeitige Gegenwehr des Seehofer-Lagers mit der Androhung einer Kampfkandidatur durch den Seehofer-Vertrauten und bayerischen Innenminister Joachim Herrmann.

Seehofer sagt, diese Wochen seien wie der Zusammenbruch des Himmels gewesen. "Deswegen war die Entscheidung heute notwendig - wir beginnen ab heute neu."

Angesichts dieser schwierigen Voraussetzungen ist ein Foto vielsagend, das die Junge Union bei Twitter verbreitet: Unter der Überschrift "Ein starkes Team für 2018" schlagen dort Seehofer und Söder wie zwei Boxer vor einem Kampf die Fäuste gegeneinander.

Ob diese Konstellation wirklich gut gehen kann? In der CSU zweifeln viele daran, wie sie vor dem Tag der Entscheidung durchblicken ließen. Aber dennoch zeigen Seehofer und Söder, dass sie sich nun bemühen wollen, vernünftig gemeinsam zu arbeiten.

So kündigt der sonst lautsprecherische Söder plötzlich "Mut und Demut" an. Und der für seine Alleingänge bekannte Seehofer zeigt sich auf einmal ungewohnt untergeben und teamorientiert: Seehofer fragt bei Söder nach, ob er Generalsekretär Andreas Scheuer auf dem Parteitag im Dezember erneut zur Wiederwahl vorschlagen darf. Er darf, mit Söders Segen.

Wer ist hier Koch oder Kellner?

Die Frage, ob nun der CSU-Chef Koch oder Kellner ist oder der Ministerpräsident, lassen beide offen. Zweimal gab es nach der Wiedervereinigung in der CSU eine Ämtertrennung. Das Tandem Günther Beckstein und Erwin Huber scheiterte 2008 desaströs mit dem Verlust der absoluten Mehrheit. Dagegen arbeiteten Theo Waigel als CSU-Chef und Edmund Stoiber als Ministerpräsident in den 90er Jahren mehrere Jahre trotz einiger Streitereien erfolgreich miteinander.

Wann genau die Wahl Söders sein wird, steht zwar noch nicht fest. Aber in den kommenden Wochen bekommt er alle Gelegenheiten zur Profilierung: Er gehört anders als bei den Jamaika-Sondierungen zum CSU-Team für die Gespräche über eine große Koalition. Beim politischen Aschermittwoch in Passau wird er der Hauptredner sein.

All dies, damit er der CSU bei der Landtagswahl im Herbst 2018 die absolute Mehrheit verteidigt. Nach den aktuellen Umfragen mit deutlich unter 40 Prozent erscheint dies eine Herkulesaufgabe - sollte Söder scheitern, droht der CSU der nächste Machtkampf mit einem noch wilderen Boxen als zuletzt.

rei/afp

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