Montag, 5. Dezember 2016

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Ex-Ministerpräsident von Baden-Württemberg verstorben Lothar Späth ist tot

Einer der letzten öffentlichen Auftritte von Lothar Späth (CDU) im Jahr 2012 bei einem Empfang in Offenburg

Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth ist tot. Darüber sei das Staatsministerium in Stuttgart am Freitag informiert worden, sagte ein Sprecher der Landesregierung. Der CDU-Politiker starb im Alter von 78 Jahren.

Späth hatte 1978 die Nachfolge von Hans Filbinger als Ministerpräsident von Baden-Württemberg angetreten. Sein Spitzname lautete "Cleverle", er trieb den wirtschaftlichen Erfolg des Bundeslandes voran.

1991 legte Späth schließlich sein Amt nieder. Zuvor waren immer mehr Einzelheiten über Auslandsreisen bekanntgeworden. Es ging es um zahlreiche offizielle, halboffizielle und private Reisen auf Kosten der Wirtschaft. Das Wort "Traumschiff-Affäre" machte die Runde. "Käuflich oder nicht käuflich?", lautete die Frage.

Späth zog die Konsequenzen aus den Verdächtigungen und trat damals als dienstältester Ministerpräsident Deutschlands (1978-1991) zurück. Bei seinen Auftritten im fälligen Untersuchungsausschuss im Landtag wies er einen Zusammenhang von rund 500 Reisen auf Firmenkosten und politischen Gefälligkeiten als "unrealistisch" zurück. Und: "Abhängig habe ich mich nicht gefühlt." Eine greifbare Einflussnahme wurde in der Tat nicht nachgewiesen. Sein Nachfolger wurde Erwin Teufel.

Wirtschaftslenker in Jena

Nach dem Ende seiner politischen Laufbahn, während der er auch immer wieder als Anführer der parteiinternen Opposition gegen Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl galt, wechselte Späth in die Wirtschaft. Von 1991 bis 2003 leitete er das Jenaer Optikindustrieunternehmens Jenoptik. Er galt als ein Liebling der Talkshows, der zeitweise sogar eine eigene Sendung hatte. Jahrelang gab er als Experte Auskunft über die Wiedervereinigung.

2005 trat er dann seinen letzten Posten in der Wirtschaft an. Das Geldhaus Merrill Lynch hatte ihn zum Vorsitzenden der Geschäftsführung für Deutschland berufen. Nach und nach gab dann Späth auch seine Ehrenämter ab.

In den letzten Jahren war es um den CDU-Politiker ziemlich ruhig geworden. Er tauchte praktisch nicht mehr in der Öffentlichkeit auf. Im Frühjahr 2014 machte er noch einmal kurz Schlagzeilen als es um die Trennung von seiner Ehefrau Ursula ging. Eine Scheidung sei aber kein Thema, versicherte er.

Politiker gedenken Späth

Erst vor zehn Tagen war bekannt geworden, dass Späth schwer an Demenz erkrankt war. Er sei in einem Pflegeheim untergebracht, hatte seine Tochter der Zeitung "Bild am Sonntag" erzählt.

Der Bundesrat hat noch am Freitag des gestorbenen ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten gedacht. Späth habe sich "großartige Verdienste" um sein Bundesland erworben, sagte Bundesratspräsident Stanislaw Tillich (CDU) während einer Sitzung der Länderkammer. Auch beim Aufbau der ostdeutschen Bundesländer sei man ihm "zu großem Dank verpflichtet", das gelte für Sachsen, aber auch für Thüringen und das Unternehmen Jenoptik. "Wir teilen die Trauer der Angehörigen um Lothar Späth." Er sei "ein großartiger Politiker der Bundesrepublik Deutschland" gewesen.

afp/dpa/dpa-afx/SPON

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