Sonntag, 24. Juli 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Diskussion um Tebartz-van Elst "Die Debatte ist hysterisch und auf Krawall gebürstet"

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (am 15.09.2013 in Königstein im Taunus): Zuletzt unter Druck wegen eines Bauprojekts

Deutschland streitet über den Limburger Bischof Tebartz-van Elst. Im Interview sagt Kommunikationsprofi Hasso Mansfeld, warum der Geistliche in der öffentlichen Debatte keine Chance hat - und greift manche Kritiker des Bischofs scharf an.

mm: Herr Mansfeld, Sie waren unserer Information nach kurz davor, die Krisen-Kommunikation des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst übernehmen zu sollen. Warum hören wir nichts von Ihnen?

Mansfeld: Dass wir in Kontakt waren, wurde sofort öffentlich. Eine weitere Diskussion um mein Beraterhonorar wollte man sich in Limburg sparen. Deshalb ist daraus nichts geworden. Es ist leider so: Das Engagement eines PR-Beraters hat eben immer Skandalisiserungspotenzial.

mm: Welche Reaktion auf die Vorwürfe hatten Sie dem Bischof denn geraten? Aktuell scheint niemand mehr die Hand für Tebartz-van Elst heben zu wollen.

Mansfeld: Ich hatte ihm die völlige Offenbarung der Umstände, der Kosten, der Fehler und der persönlichen Befindlichkeit geraten. Und nein, für ihn hebt kaum noch jemand die Hand. Mittlerweile hat sich die angebliche Auseinandersetzung über die unterstellte Verschwendungssucht des Bischofs zu einer Hysterie entwickelt.

mm: Was empfinden Sie als hysterisch an der Debatte? Dass sich ein Bischof im Jahr 2013 aus Sicht seiner Kritiker wie ein Kirchenfürst im Mittelalter verhält - und Millionen aus Kirchensteuern in Prestigebauten steckt?

Mansfeld: Verlogen an der Debatte ist beispielsweise, von wem sie getragen wird. Denn die vermeintliche Debatte wurde nicht zuletzt von jenen befeuert, die lange Teil des bischöflichen Wesens in Limburg waren. Und nun durch laute Anklage gegen Bischof Tebartz-van Elst, durch die Forderung nach brutalstmöglicher Aufklärung, ihre eigene Haut retten wollen.

mm: Sie spielen darauf an, dass die Initiative zum Umbau des Limburger Dombergs gar nicht von Tebartz-van Elst kam? Sondern von Limburgs Domkapitel - und das auch noch vor dem Amtsantritt von Tebartz-van Elst im Jahr 2007?

Mansfeld: Beispielsweise. Das aber ist nur eine Facette, nur ein Detail der Geschichte, die von den Kritikern des Bischofs öffentlich meist ausgespart wird.

mm: Müssen die Kritiker von Tebartz-van Elst denn alle Fakten auf den Tisch bringen, oder ist das die Aufgabe des Bischofs selbst?

Mansfeld: Bischof Tebartz-van Elst hat zu spät reagiert. Er hat nicht bemerkt, wie seine Kritiker die Grundsteinlegung für den Bau des "Diözesanen Zentrums Sankt Nikolaus" im Mai 2010 langsam als geeigneten Vorwand aufnahmen, gegen den als konservativ empfundenen Tebartz-van Elst selbst vorzugehen - insbesondere jene, die Petrus' Kirche schon immer nicht mochten.

mm: Herr Mansfeld, Sie erzählen uns jetzt aber nicht, Bischof Tebartz-van Elst sei Opfer einer Verschwörung geworden?

Mansfeld: Nein, aber Opfer einer unangemessenen Debattenführung. Einer negativen Stimmungsmache, die Tebartz-van Elst nicht rechtzeitig bemerkt hat. Der Ausgangspunkt dafür war womöglich die Entscheidung des Bischofs im Jahr 2008, den Wetzlarer Pfarrer Peter Kollas von seinem Amt als Bezirksdekan zu entlassen - nachdem Pfarrer Kollas ein homosexuelles Paar gesegnet hatte.

mm: Auch die aktuelle Debatte über den Limburger Bischof ist eine über die Angemessenheit seines Verhaltens. Und da tauchen plötzlich Berichte auf über einen Erste-Klasse-Luxusflug des Bischofs und seines Generalvikars nach Indien. Eine Flugbuchung, die Tebartz-van Elst gegenüber dem "SPIEGEL" sogar erst gerichtlich leugnet - um dann doch einzuknicken. So sieht die von Ihnen geforderte angemessene Debattenführung sicher nicht aus, oder?

Mansfeld: Am Anfang stand eine Ungeschicklichkeit, die er versucht hat mit Hilfe von Rechtsanwälten aus der Welt zu schaffen. Doch das Insistieren seiner Rechtsanwälte hat die ganze Sache erst richtig ins Rollen gebracht. Das war ein großer Fehler, ganz klar. Und der nächste war: Tebartz hat überdies nicht bemerkt, dass im Jahr 2012, als diese Flüge nach Indien öffentlich wurden, die Kritik daran insbesondere von denen getragen wurden, die als besonders fromm und katholisch gelten möchten. Und eine eigene Auffassung von der rechten katholischen Lebensführung haben. Das ist Teil der negativen Stimmungsmache, die ich meine.

mm: Viele Menschen werden wahrscheinlich finden, dass es in der Tat nicht zu frommer Lebensführung passt, mit einem Erste-Klasse-Ticket in ein Dritte-Welt-Land zu fliegen und zugleich in Limburg ein Diözesanzentrum für 31 Millionen Euro zu errichten. Um diese Abneigung auszulösen braucht es doch keine negative Stimmungsmache, oder?

Mansfeld: Das Gefühl wird von jenen geschickt negativ verstärkt, die lange selbst Teil des Systems waren und jetzt durch den lauten Ruf der Anklage, durch den nach der "brutalstmöglichen Aufklärung" des angeblichen Bau- und letztlich Geldverschwendungsskandals, ihre eigene Haut retten wollen.

Seite 1 von 3
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH