Samstag, 1. Oktober 2016

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Strompreis Schluss mit dem Energiewende-Gejammer!

Kupferproduktion bei Aurubis AG: Viele Unternehmen der energieintensiven Industrie zahlen heute weniger für Strom als vor der Atomkatastrophe von Fukushima

Das Wehklagen von Managern und Funktionären über die Energiewende ist kaum zu ertragen. Es übertönt die Tatsache, dass die Kostenexplosion gestoppt ist. Ums große Ganze geht es vielen Kritikern aber auch nicht: Sie wollen so viel wie möglich für sich herausschlagen - auf Kosten anderer.

Ja, die Energiewende belastet Unternehmen und Privathaushalte jedes Jahr mit vielen Milliarden Euro. Und ja: Das Geld wird auf fragwürdige Weise umverteilt und ist im Sinne des Klimaschutzes nicht effizient angelegt, zumindest kurzfristig betrachtet.

Das alles ist ärgerlich. Das alles ist aber auch nicht neu. Denn die Ökostrom-Umlage ist vor allem aufgrund von Fehlern in den Jahren 2010 bis 2012 auf 6,24 Cent pro Kilowattstunde in die Höhe geschnellt. Damals ermöglichten Politiker Traumrenditen für Solaranlagen, die Förderkosten gingen durch die Decke.

Doch seit ein, zwei Jahren haben verschiedene Reformen die Kostenexplosion bei der Energiewende gestoppt. Im Jahr 2013 bezuschussten die Stromverbraucher die Betreiber von Ökostromanlagen netto mit gut 17 Milliarden Euro. Der Betrag ist im Vergleich zu 2012 kaum gestiegen, wenn auch unter Einfluss des Wetters. Die heute im Kabinett vorliegende Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes wird diese Tendenz eher verstetigen als umkehren.

Dennoch surfen viele Manager und Verbandsfunktionäre weiter auf der Anti-Energiewende-Welle. Oft tun sie so, als müsse die Energiewende am besten abgebrochen werden, damit Strom in Deutschland wieder bezahlbar wird. Das ist Unsinn. Selbst wenn ab sofort kein Windrad mehr aufgestellt und keine Solaranlage gebaut würde: Der Endkunden-Strompreis würde sich nicht viel anders entwickeln, als wenn der Zubau weiterginge.

Das liegt einerseits daran, dass die Stromschwemme den Börsenpreis für Elektrizität senkt. Davon profitieren die Kunden, wenn Versorger die Ersparnis weiterleiten. Das geschieht zunehmend. Auch deshalb sind die Haushalts-Strompreise laut dem Vergleichsportal Verivox 2014 nur um 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Industriestrom wurde laut dem Verband der Industriellen Kraftwirtschaft (ohne EEG-Umlage) binnen Jahresfrist gut 6 Prozent billiger.

Sigmar Gabriel als Strompreis-Bremser (?)

Entlastend wirkt zudem, dass die Ökostrom-Vergütungssätze deutlich gesenkt worden sind, zum Beispiel für Solaranlagen um 70 Prozent seit 2010. Der aktuelle Gesetzesentwurf passt die Sätze für Windenergie an Land an. Lediglich die (anfangs) teure Offshore-Wind-Technologie bietet ein gewisses Kostenrisiko. Unvorhersehbare Preissprünge sind aber eher nicht zu erwarten, weil Planung und Bau der Parks Jahre dauern.

So kann Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) stabile Strompreise bis 2017 in Aussicht stellen, trotz mancher Geschenke an die Bundesländer. Entscheidend dafür sind der allgemeine Preisverfall bei erneuerbaren Energien und Reformen der Vorgängerregierung. Gabriels eigene Reform hat bestenfalls einen kleinen Anteil. Viel hängt noch davon ab, wie stark er gemeinsam mit der Europäischen Kommission die Ökostrom-Rabatte für die Industrie begrenzt.

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