Samstag, 2. Juli 2016

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Koalitionsverhandlungen Union und SPD machen mehr Geld für Elektroauto-Käufer locker

Koalitionsvertrag: Was Union und SPD in der Verkehrspolitik ändern
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Käufer von Elektroautos sollen günstige Kredite von der staatlichen KfW-Bank erhalten. Der finanzielle Vorteil könnte sich auf mehrere Tausend Euro summieren. So wollen Union und SPD dem Ziel näher kommen, bis 2020 eine Million Batteriefahrzeuge auf die deutschen Straßen zu bekommen.

Hamburg - Union und SPD wollen neue finanzielle Anreize für den Kauf von Elektroautos schaffen. Vorgesehen ist ein Programm der staatlichen KfW-Bank "mit zinsgünstigen Krediten zur Anschaffung besonders umweltfreundlicher Fahrzeuge". Damit wolle eine große Koalition "insbesondere auch Elektrofahrzeuge fördern", heißt es im neuesten Entwurf zum Koalitionsvertrag (Stand: Dienstag, 26. November), der manager magazin online vorliegt.

Die Passage ist nicht als strittig gekennzeichnet. Details zur Förderung haben die Koalitionsparteien noch nicht fest vereinbart.

Union und SPD wollen den Absatz von Elektroautos ankurbeln, weil Deutschland weit davon entfernt ist, wie geplant eine Million Elektroautos bis 2020 auf die Straßen zu bringen.

Geplant sind außer der KfW-Förderung deshalb weitere Maßnahmen: Unter anderem soll die Ladeinfratruktur für Batterie- aber auch Wasserstoffautos weiter ausgebaut werden. Zudem will der Bund seinen Fuhrpark auf E-Mobile umrüsten. Bisher sind Elektroautos in Deutschland unter anderem von der KfZ-Steuer befreit.

Nationale Plattform Elektromobilität setzt Vorschlag durch

Mit dem Passus nehmen die designierten Koalitionspartner eine alte Forderung der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) auf, die Ex-SAP-Chef Henning Kagermann leitet. Die NPE hatte bereits vor zwei Jahren ein KfW-Programm vorgeschlagen, demzufolge Autokäufer einen Kredit von 30.000 Euro zu maximal 2,5 Prozent Zinsen erhalten sollen. Der Zinsvorteil hätte sich damals insgesamt auf 3500 Euro summiert, wie Fachleute berechneten. Aktuelle Kalkulationen liegen noch nicht vor.

Der Absatz von Elektroautos in Deutschland verläuft bisher schleppend, wenn auch mit steigender Tendenz. Im vergangenen Jahr wurden knapp 3000 rein batteriebetriebene Wagen zugelassen, in diesem Jahr sind es bisher knapp 5000. In den USA werden monatlich etwa 10.000 Autos mit Stecker verkauft, davon etwas mehr als die Hälfte mit Reichweitenverlängerung in Form eines Verbrennungsmotors.

Zuletzt haben deutsche Hersteller aber verstärkt Modelle auf den Markt gebracht: Daimler Börsen-Chart zeigen den E-Smart, BMW Börsen-Chart zeigen den i3 und Volkswagen Börsen-Chart zeigen den E-Up. Zahlreiche weitere Modelle sind für die kommenden Jahre geplant, darunter viele Wagen mit Reichweitenverlängerer wie Porsches Panamera E-Hybrid, der bereits vom Band rollt. Fachleute hatte lange erwartet, dass die Regierung mehr Kaufanreize schafft, sobald deutsche Hersteller auf den Markt drängen.

Maßnahme kommt für BMW, Daimler und VW zur rechten Zeit

Der Bundesverband Elektromobilität (BME) begrüßt die nun getroffenen Regelungen. "Das ist besser als eine pauschale Kaufprämie", sagt BME-Präsident Kurt Sigl gegenüber manager magazin online. Mit einer Kaufprämie würde Autokäufern nur "Geld hinterhergeschmissen".

In vielen europäischen Staaten und den USA gibt es feste Kaufprämien oder Steuernachlässe für Käufer von Elektroautos. Frankreich schießt mit knapp 7000 Euro am meisten zu, auch einige US-Bundesstaaten wie Kalifornien kommen in diesen Bereich.

Das deutsche Modell mit zinsgünstigen Krediten sei vor allem Blick auf Gewerbekunden gewählt worden, sagt Sigl. "So kommen auch Handwerker in den Genuss der Förderung, das Geld fließt in die Wirtschaft zurück." Er erwartet, dass der finanzielle Vorteil unterm Strich in etwa in Höhe der Mehrwertsteuer liegen werde, die beim Kauf für den Wagen zu entrichten ist.

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