Sonntag, 21. Oktober 2018

Koalitionsverhandlungen: Strategien gegen den Stillstand Wie die Groko noch ein großer Wurf werden kann

Was gibst Du mir? Koalitionsverhandlungen gleichen nicht selten einem orientalischen Basar

4. Teil: Sichere Arbeitsverträge ohne Befristungen

Zunehmend werden neue Arbeitsverträge befristet geschlossen, darüber hinaus steuern wir immer mehr auf auftragsabhängige Arbeitsverträge zu, bei denen der aktuelle Bedarf die Arbeitsdauer und den Arbeitseinsatz bestimmt. In England gibt es bereits Arbeitsverträge mit einer garantierten Wochenarbeitszeit von null Stunden.

Speziell die wunderbar klingende, neoliberale "Freiheitszone", die Mitbestimmung und Arbeitsgesetze aushebeln will, ist eine krasse Mogelpackung. Sie verspricht mehr Flexibilität, doch in der Realität haben allenfalls einige Unternehmer kurzfristig einen Vorteil, bevor ihnen mittelfristig auch die letzten Mitarbeiter den Rücken zukehren und verschwinden.

Natürlich ist eine gewisse Flexibilität immer interessant. Mitbestimmung und Arbeitsgesetze wurden erkämpft, damit der Mitarbeiter Sicherheit erhält. Es ist unklar, warum dies in der heutigen Zeit nicht mehr relevant sein soll. Nur wenige Personen, die als digitale Nomaden agieren und dies auch so wollen, leben gern in Unsicherheit.

Menschen brauchen stabile Arbeitsverhältnisse. Nicht zu wissen, ob und wie man in einigen Monaten noch einen Arbeitsvertrag hat, sollte der Vergangenheit angehören. Lediglich in der Politik (beispielsweise bei politischen Beamten) sollte man Zeitverträge ohne lebenslangen Versorgungsanspruch einführen, weil hier eine Befristung von der Sache her eigentlich zwingend wäre und eine lebenslange Alimentierung auszuschließt.

Die Große Koalition sollte sachgrundlose Befristung abschaffen, Missbrauch bei Befristung stärker bekämpfen und Verträge mit variabler Stundenzahl einschränken. Viele der teilweise schlecht bezahlten Praktika gehören abgeschafft und verlogene Ideen wie "Freiheitszonen" in den Papierkorb.

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