Sonntag, 24. März 2019

Gleichberechtigung Koalition einigt sich auf Frauenquote

Die Frauenquote kommt: Jeder dritte Aufsichtsratsposten soll an eine Frau gehen

Der Hickhack in der schwarz-roten Koalition ist beendet. In den größten deutschen Unternehmen soll ab 2016 jeder dritte Aufsichtsratsposten mit einer Frau besetzt sein.

Berlin - Nach wochenlangem Streit haben sich die Spitzen der großen Koalition auf eine Frauenquote von 30 Prozent für die Aufsichtsräte der größten Unternehmen in Deutschland geeinigt. Bei einem Treffen im Kanzleramt verständigten sich die Partei- und Fraktionschefs von Union und SPD darauf, dass ab 2016 knapp ein Drittel der Aufsichtsratsposten in 108 börsennotierten Unternehmen von Frauen besetzt sein soll - und das ohne Ausnahmen. Das Gesetz soll am 11. Dezember vom Kabinett verabschiedet werden.

Laut der gemeinsamen Erklärung bleibt es bei den von Frauenministerin Manuela Schwesig und ihrem Justizkollegen Heiko Maas (beide SPD) vorgesehenen Sanktionen gegen Unternehmen, die die Quote unterschreiten. Sollte für einen Posten keine geeignete Bewerberin gefunden werden können, bleibe dieser unbesetzt.

Die Frauenquote gilt nach der schwarz-roten Koalitionsvereinbarung künftig auch für Unternehmen des öffentlichen Bereichs. 3500 mittelgroße Unternehmen, die mitbestimmungspflichtig oder börsennotiert sind, sollen sich eigene Zielvorgaben beim Frauenanteil in den Führungsetagen setzen.

Kauders Macho-Sprüche sorgen für Unmut

Gerungen wurde bis zuletzt um Details. CSU und CDU hatten Ausnahmen von der Frauenquote gefordert. Sie belaste die Wirtschaft, in Zeiten lahmender Konjunktur solle das Gesetz deshalb verschoben oder abgeschwächt werden, so die CSU. Sie setzte nach eigenen Angaben durch, dass Firmen nicht bestraft werden, wenn sie nach Erreichen der Quote den Wert wieder unterschreiten.

Zudem soll die Frauenquote auf der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite zusammen berechnet werden. "Das ist ein guter Kompromiss, der unseren wichtigsten Bedenken Rechnung trägt", sagte CSU-Landesvorsitzende Gerda Hasselfeldt nach Ende des Treffens.

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) hatte die Stimmung angeheizt, als er im ZDF-Morgenmagazin lästerte, Familienministerion Schwesig solle doch bitte "nicht so weinerlich" sein. SPD-Chef Sigmar Gabriel unterstellte Kauder daraufhin ein Problem mit Frauen, SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi sprach von Macho-Gehabe und schlechter Kinderstube und Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt twitterte, die Heulsuse der großen Koalition sei in Wahrheit Kauder.

Lesen Sie hier: Umfrage - Hälfte der Firmen könnte Frauenquote problemlos einführen

ts/vet/dpa/rtr

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung