Dienstag, 25. September 2018

Wirtschaftswachstum Ifo-Institut senkt Konjunkturprognose für Deutschland deutlich

Schwung nimmt ab: 2018 soll das Wachstum in Deutschland nur noch 1,8 Prozent betragen, so die Ifo-Forscher

Das Münchner Ifo-Institut schätzt die deutschen Konjunkturaussichten erheblich pessimistischer ein als noch im Frühjahr. Die Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr wurde am Dienstag von 2,6 auf 1,8 Prozent gesenkt. Für 2019 wurde sie von 2,1 auf ebenfalls 1,8 Prozent zurückgenommen.

Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft um 2,2 Prozent gewachsen.

"Am deutschen Konjunkturhimmel brauen sich derzeit kräftige Gewitterwolken zusammen." So kommentierte Timo Wollmershäuser, stellvertretender Leiter des ifo Zentrums für Makroökonomik, die volkswirtschaftliche Lage. "Die Wirtschaft hat sich in den ersten Monaten des Jahres deutlich schlechter entwickelt als gedacht", so Wollmershäuser.

Die Experten gehen davon aus, dass die Exporte in diesem Jahr nicht mehr so kräftig zulegen wie im vergangenen Jahr, ebenso der private Konsum und die Investitionen. Das per Umfrage unter Tausenden Managern ermittelte Ifo-Geschäftsklima ist in diesem Jahr zurückgegangen, während die weltwirtschaftlichen Risiken deutlich zugenommen haben. So könnte der Handelskonflikt mit den USA weiter eskalieren und sich die Schuldenkrise in Italien noch verschärfen.

Die Lage am Arbeitsmarkt verbleibe hingegen anhaltend gut. Die Zahl der Arbeitslosen soll weiter sinken und 2019 mit 2,2 Millionen um rund 300.000 niedriger liegen als 2017. "Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte neue Rekorde erzielen", betonte das Ifo-Institut. 2019 sollen es gut 45,2 Millionen sein - das wäre eine Million mehr als 2017.

Auch andere Institute hatten ihre Wachstumsprognosen zuletzt gesenkt. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) etwa erwartet für das laufende Jahr noch 1,9 Prozent.

Das Essener RWI-Institut senkt seine Konjunkturerwartung für die deutsche Wirtschaft auf 1,8 Prozent in 2018 statt bisher angenommenen 2,4 Prozent. Für 2019 rechnen die Forscher mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 1,5 statt 1,9 Prozent. Ursachen werden in schlechteren Exportaussichten gesehen, wegen staatlicher Abschottungsmaßnahmen etwa der USA. Zudem seien die Firmen verunsichert durch die unklare Zukunft der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU vor dem Hintergrund des geplanten Brexit.

Die Bundesregierung schraubte ihre Prognose zuletzt ebenfalls herunter. Sie rechnet für 2018 etwas optimistischer mit einem Wachstum von 2,3 Prozent. 2019 soll es noch ein Plus von 2,1 Prozent werden.

Ein Ende der wirtschaftlichen Erholung scheint trotz der deutlichen Prognosesenkungen nicht in Sicht. "Wir glauben, dass sich der deutsche Aufschwung fortsetzt, wenn auch nicht in demselben Tempo wie 2017", sagte Ifo-Experte Wollmershäuser.

cs/Reuters, dpa

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