Dienstag, 25. September 2018

Ifo-Index fällt deutlich "Der Boom ist vorbei"

VW-Auslieferungsturm in Wolfsburg: Der drohende Handelskrieg mit den USA dämpft nicht nur in der Auto- und Maschinenbaubranche die Stimmung. Der Ifo-Index ist auf den tiefsten Stand seit 12 Monaten gefallen

Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft ist angesichts des Handelsstreits mit den USA so schlecht wie seit über einem Jahr nicht mehr. Der Geschäftsklima-Index fiel im Juni um 0,5 auf 101,8 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter rund 9000 Managern mitteilte.

"Der Rückenwind für die deutsche Wirtschaft flaut ab", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Manager beurteilten ihre Geschäftslage schlechter, während die Aussichten für die kommenden sechs Monate unverändert blieben.

In allen großen Wirtschaftszweigen ließ der Optimismus der Führungskräfte nach. "Der Boom ist vorbei", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe dazu. "Die deutsche Wirtschaft ist auf dem Weg in die Normalisierung." An der Börse baute der Dax am Montag Vormittag seine Verluste deutlich aus.

Der von Donald Trump angedrohte Handelskrieg belaste, ebenso die abflauende Weltkonjunktur. Trump drohte zuletzt mit Strafzöllen von 20 Prozent auf EU-Autoimporte, die besonders Deutschland treffen würden. Die aktuelle Regierungskrise in Deutschland - ausgelöst vom Streit zwischen CDU und CSU über die Asylpolitik - sei in dieser Umfrage noch nicht berücksichtigt worden.

Vier Monate lang Rückgang: Längste Auftragsflaute seit 2009

In der Industrie gab die Stimmung nach. Sie steckt in der längsten Auftragsflaute seit der weltweiten Finanzkrise 2008/09: Die Bestellungen schrumpften zuletzt vier Monate in Folge. Der Export-Europameister bekommt dabei den Zollstreit mit den USA, die Verunsicherung durch den näher rückenden EU-Austritt Großbritanniens und weltweit zunehmende Handelshürden wie höhere Zölle zu spüren. Auch im Handel, in der Baubranche und bei den Dienstleistern trübte sich die Stimmung ein.

"Das hätte schlimmer kommen können", sagte LBBW-Chefvolkswirt Uwe Burkert zum leichten Rückgang des viel beachteten Barometers. "Der nur leichte Rückgang gibt uns ein Gefühl dafür, dass die Story stimmen dürfte, wonach wir derzeit nur eine Konjunkturverlangsamung auf Normalmaß sehen, aber keinen Abschwung oder gar eine Rezession."

Ähnlich sehen das auch andere Experten. "Die Lage ist nicht hoffnungslos, schon bald sieht es wieder besser aus", sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. "Dazu passt auch, dass die Unternehmen den Daumen für die weiteren Geschäftsaussichten nicht weiter gesenkt haben."

Angesichts des Handelsstreits mit den USA und des schwachen Jahresauftakts haben die führenden Institute ihre Prognosen für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in Deutschland deutlich gesenkt. Das Ifo-Institut nahm seine Vorhersage für dieses Jahr von 2,6 auf 1,8 Prozent zurück, für 2019 von 2,1 auf 1,8 Prozent.

la/reuters

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH