Dienstag, 26. März 2019

Flexiblere Arbeitszeiten Arbeitgeber machen sich für mehr Heimarbeit stark

Arbeiten im Home Office: Keineswegs nur zum Vorteil von abhängig Beschäftigten

Arbeiten, wenn die Arbeit anfällt. Dann auch mal länger und bei weniger Ruhezeit - der Arbeitgeberpräsident verlangt ein flexibleres Arbeitszeitgesetz und macht sich für mehr Heimarbeit stark. Tatsächlich sind es aber die Arbeitgeber, die ein Home Office mehrheitlich ablehnen. Auch aus Sicht von Beschäftigten sprechen gute Gründe gegen Heimarbeit.

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hat sich für flexiblere Arbeitszeiten ausgesprochen. Das Arbeitszeitgesetz müsse den Realitäten im 21. Jahrhundert angepasst werden, sagte Kramer der Deutschen Presse-Agentur: "Wir müssen den Rahmen neu justieren, in dem sich die Unternehmen bewegen können. Es geht nicht um Mehrarbeit, es geht um flexiblere Lösungen durch Wochenarbeitszeit, also einen Tag länger, einen Tag kürzer arbeiten."

Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände kritisierte außerdem, in Deutschland sei im Arbeitszeitgesetz eine Ruhezeit zwischen zwei Arbeitstagen von elf zusammenhängenden Stunden festgelegt: "Das lässt sich in einer digital und international vernetzen Welt der Wirtschaft aber nicht jeden Tag einhalten. Das heißt, es wird in der Praxis längst anders gehandelt - und das wird von den Arbeitnehmern mit Familie und Home Office auch gewünscht."

Doch ist dem tatsächlich so?

2018 erledigten mehr Menschen ganz oder teilweise ihren Job im Home Office. Laut einer Umfrage durch das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) arbeiteten inzwischen 38 Prozent aller lohnabhängig Beschäftigten regelmäßig oder in Ausnahmefällen von zu Hause aus, berichtete die "Welt". Bei 62 Prozent der Befragten hätte der Arbeitgeber jedoch kein Verständnis für Heimarbeit gezeigt. Zugleich erklärten 45 Prozent der Beschäftigten auch, ihr Job erfordere die Anwesenheit am Arbeitsplatz in der Firma.

Den Vorteilen des Heimarbeitsplatzes, etwa wegfallende Fahrzeiten und ein flexibleres Zeitmanagement, stehen durchaus auch Nachteile gegenüber. So seien Menschen im Homeoffice öfter Stresssituationen ausgesetzt, heißt es in einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) - weil sich berufliche und private Sphäre öfter gegenseitig störten und eben auch noch in der Freizeit gearbeitet werde.

Rund die Hälfte der mobilen Computerarbeiter in Deutschland und der EU empfinde es daher als schwierig, sich angesichts vorhandener familiärer Verpflichtungen auf die Arbeit zu konzentrieren, oder sieht sich gezwungen, das zeitliche Engagement im Beruf zu verringern, wie die "NRZ" unlängst aus der Studie zitierte.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach hatte vor dem Hintergrund auch einer eigenen Befragung erklärt: "Digitalisierung führt nicht automatisch zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Es müssen klare Regeln für mobiles Arbeiten geschaffen werden".

Der Achtstundentag stehe heute für viele Beschäftigte nur auf dem Papier, weil sie deutlich länger arbeiteten und auch in der Freizeit oft erreichbar sein müssten. Deshalb seien aber auch bei mobiler Arbeit oder Arbeit im Home Office Regeln zur Einhaltung des Achtstundentags und "keine Experimente zu einer noch stärkeren Ausweitung der Arbeitszeiten" nötig.

Der Achtstundentag in Deutschland war vor 100 Jahren eingeführt worden.

rei mit dpa

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